Kategorie: NACHGEFRAGT!

SCHÖN MITEINANDER!

„Unser“ BFD-Welcome Mazen sagt: „Es ist richtig schön miteinander!“
Wir finden das auch und möchten deshalb mit Mazen sowie ganz vielen anderen „alten“ und „neuen“ NachbarInnen feiern. Wir wollen gemeinsam tanzen, lachen und uns kennenlernen. Wir freuen uns auf einen wundervollen Abend, nach dem alle BesucherInnen, HelferInnen, die Moderation sowie der DJ sagen werden: „Schön miteinander“.

Freitag, 17. Februar im Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9 | Eintritt frei

NACHGEFRAGT! : Isabel

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Meine Basis ist ein zweistündiges Café, das seit April 2016 wöchentlich im Gemeinschaftsraum einer Folgeunterkunft stattfindet. Aus den Begegnungen vor Ort – den Anliegen der Bewohner, aber auch anderer Ehrenamtlicher, die ein Angebot für Geflüchtete organisieren – haben sich vielfältige weitere Themen und Aktivitäten, und auch freundschaftliche Beziehungen ergeben.

 

Seit einigen Wochen geht es immer häufiger um Lebensläufe, Praktika oder allgemein die Berufsfindung. Im Sommer stand bei mir das Fahrrad im Mittelpunkt (Radfahren beibringen, Fahrräder organisieren, vgl. auch Nachgefragt!: Klaus). Außerdem sind wir schon gemeinsam zur Welcome Music Session in der Zinnschmelze, zur Welcome Jam im Jugendtreff Jarrestadt oder zum Welcome Movie im Goldbekhaus gegangen. Aber auch Floh- und Weihnachtsmärkte sind beliebt.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich habe mich eine ganze Weile informiert, u.a. bei Wir im Quartier (WiQ), bei Welcome to Barmbek (wtb) und Gertrud hilft, schwankte zwischen Sprachangeboten und Patenschaften. Kurze Wege waren mir von Anfang an wichtig. Beim Runden Tisch für die neu eröffnete Unterkunft habe ich mich dann für das Café entschieden. Ich wollte mir ein eigenes Bild machen von den neuen Nachbarn und ihren Bedürfnissen und auch herausfinden, was für mich passt.

 

3) Warum engagierst du dich?

Mir ist ein gutes Miteinander und nicht ein Neben- oder Gegeneinander verschiedener gesellschaftlicher Gruppen wichtig. Dazu möchte ich aktiv beitragen.

Außerdem ist es für mich spannend, aus einem andern Blickwinkel auf das eigene Leben und die eigenen Gewohnheiten zu schauen, was fast automatisch passiert, wenn man mitbekommt, worüber Menschen aus anderen Kulturkreisen stolpern oder welche Fragen sie stellen.

 

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

8 Stunden/Woche sind es mindestens. Phasenweise – im Sommer/Herbst während der Radkurse – waren es deutlich mehr.

 

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Herausfordernd war und ist die Kommunikation. Häufig mussten und müssen einzelne Erwachsene oder die Jugendlichen und Kinder bei der Verständigung helfen. Letztere lernen in Kindergärten und Schulen sehr schnell.

Komplexere Gespräche z.B. bei der Berufsfindung sind leider noch kaum möglich.

 

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Im Sommer habe ich einigen muslimischen Frauen über 30 das Radfahren beigebracht. Es war ihr Wunsch. Sie waren auf mich zugekommen. Es war beeindruckend, wie sehr sie das wollten. Die Terminvereinbarungen haben wunderbar funktioniert, blaue Flecken waren kein Hindernis, immer wieder wurde probiert. Wir haben viel gelacht. Nach zahlreichen lebendigen Übungsstunden in nahegelegenen Parkanlagen haben wir uns mit kleinen Ausflügen in den Stadtverkehr gewagt. Wir alle, auch die Männer und Söhne, waren am Ende sehr stolz.

 

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Es gibt kleine Anekdoten. Einmal habe ich mich mit einem befreundeten iranischen Ehepaar abends zu einem Orgelkonzert in der Sophienkirche verabredet. Eine weitere Familie kam dazu. Ich war überrascht, dass auch der zwölfjährige Sohn – den ich gut kenne – mitkam, bis sich herausstellte, dass er dort tanzen wollte…

 

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Auf jeden Fall. Ich empfinde die Arbeit als bereichernd. Mir macht es viel Spaß.

Ein Aspekt, an den ich im Vorfeld nicht gedacht hatte, ist, dass ich auch ganz viele neue Kontakte zu netten einheimischen Menschen bekommen habe und zu Institutionen, die sich schon lange in den Stadtteilen engagieren.

 

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde heute mit meinem Engagement nicht so lange zögern. In den meisten Fällen bedarf es keines konkreten (Kurs)Angebots. Vieles ergibt sich, wenn man sich kennengelernt hat. Die meisten Geflüchteten sind einfach dankbar, wenn sie auch Kontakt mit Deutschen haben, mit ihnen Sport machen, Deutsch üben oder Fragen stellen können.

 

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Ich glaube, es gibt noch viele Unterstützungsmöglichkeiten oder gar -notwendigkeiten. Auch unter den Geflüchteten gibt es ganz unterschiedliche Menschen, mit den verschiedensten Interessen und Bedürfnissen, je nach Persönlichkeit, aber auch nach familiärer Situation. Man muss sich überlegen, was einem selbst liegt und wie viel Zeit man aufwenden möchte. Klar. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Ehrenamtlichen ist sinnvoll. Letztlich scheint mir aber jedes offene, respektvolle Aufeinanderzugehen hilfreich.

 

 

Nachgefragt!: Sabine

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Ich habe vor einem Jahr mit einem Lauftreff für Geflüchtete angefangen, der einmal die Woche stattfindet. Daraus entwickelte sich dann schnell mehr: abgesehen von patenschaftsähnlichen Aufgaben konnte ich gemeinsam mit den Geflüchteten auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Angebote entwickeln. So ist z. B. die Reihe ‚Welcome Movie‘ entstanden. Die Geflüchteten hatten mir damals berichtet, dass sie in ihren Unterkünften weder Fernsehen noch Computer haben und somit kaum Gelegenheit hätten, deutsche Sprache zu hören.
Mein neuestes Projekt ist ein Computerkurs, den ich gemeinsam mit einer Freundin beantragt habe und der hoffentlich im Dezember einmal wöchentlich stattfinden wird.

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Indem ich mir überlegt habe, was ich selbst gerne mache und daher mit anderen teilen würde und das ist der Laufsport. Über ein Treffen der der Initiative „Wir im Quartier“ habe ich dann Nisihiti kennengelernt, die mir den Kontakt zu damals in Langenhorn untergebrachten Eritreern hergestellt hat.

3) Warum engagierst du dich?

Weil ich die Gesellschaft aktiv mitgestalten möchte.

 4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Das variiert je nachdem, was gerade anfällt. Mindestens jedoch acht Stunden die Woche.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

An meinem Engagement selbst nichts. Schwierig finde ich eher, dass der Tag nur 24 Stunden hat 😉

 6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Die positive Haltung, der starke Wille, die hohe soziale Kompetenz und die Zuverlässigkeit meiner Laufkollegen beeindrucken mich sehr.  Sie haben meinen Horizont erweitert und ich habe gelernt Dinge auch mal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Eines Tages kam ein junger Kasache zu unserem Lauftreff. Er lief mit Jeans und Straßenschuhen mit uns um die Alster, was erstmal nichts Ungewöhnliches ist, da die meisten Teilnehmer anfangs keine eigene Sportkleidung besitzen. Einer unserer eritreeischen Läufer, der mit ihm in derselben Unterkunft lebte, hatte ihn mitgebracht. Dieser Eritreer sprach jedoch damals weder Deutsch noch Englisch, so dass er sich mit dem Kasachen gar nicht verständigen konnte. Auf meine Frage, wie unser Läufer ihm überhaupt von unserem Treff erzählt habe, antwortete der junge Mann lachend, der Eritreer habe ihn wild gestikulierend aufgefordert mitzukommen und den Eindruck erweckt, als stünde ein unglaublich wichtiger Termin an. Der Kasache sei daraufhin so verunsichert gewesen, dass er sich entschieden habe, dass es besser sei, den Termin nicht zu verpassen und seinem eritreeischen Freund zu folgen. Jedenfalls staunte er nicht schlecht, als er sich plötzlich in einer Umkleide wiederfand und ohne Sportkleidung um die Alster laufen sollte. Ab dann kam er jede Woche, bis er leider nach Bayern verlegt wurde.

 8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Auf jeden Fall.

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Gelassener sein und den Vorurteilen von manchen Deutschen rigoroser begegnen. Mit dem heutigen Wissen würde ich teilweise andere Prioritäten setzen und meine Energie in die wirklich wichtigen Angelegenheiten stecken. Es gibt immer so viel zu tun und so viele Anliegen, dass man erst mit der Zeit lernt die jeweilige Relevanz besser einzuschätzen.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Überlegen, was man gerne tut und wohinter man steht. Denn wenn man sich selbst für eine Sache begeistert, dann begeistert man auch andere dafür. Und dann einfach anfangen, mit einer gewissen Leichtigkeit, ohne große Erwartungen, mit Geduld, Gelassenheit und Einfühlungsvermögen. Lasst den Leuten Zeit, sich für eure Angebote zu interessieren, geht immer wieder auf sie zu und fragt sie nach ihren Bedürfnissen und Interessen. Wer konkrete Angebote machen möchte, sollte diese flexibel gestalten, um auf spezielle Umstände und Bedürfnisse der Geflüchteten reagieren zu können, die man im Vorfeld nicht einkalkulieren kann.

Nachgefragt!: Jörn

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Seit September leite ich ein spannendes Kunst-Projekt für Menschen aller Kulturen. Da geht es darum, vier künstlerische Bereiche kennenzulernen, in diese einzutauchen und jeweils einiges der jeweiligen Ausdrucksmittel auszuprobieren. Das sind „Kreatives Schreiben“ von literarischen Texten, Fotografie, Malerei und Theater in Form von kleinen Improvisationen und szenischen Momenten. Dieses Projekt findet einmal wöchentlich abends statt.

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich leite seit langem eine Theatergruppe für Menschen mit und ohne Behinderungen am Goldbekhaus. Im Frühsommer dieses Jahres gab es eine Feier des Goldbekhauses. Da wurde ich darauf aufmerksam, dass auch das Goldbekhaus sich mit Projekten und Angeboten für und mit Geflüchteten engagiert. Ich habe in den vielen Jahren meiner künstlerischen und kulturellen Tätigkeit mit allen möglichen Zielgruppen und Alterstufen gearbeitet, alt bis jung, mit und ohne Behinderungen (inklusiv), Laien und Profis, mit und ohne Migrationshintergrund (z. B. türkische Jugendliche). In meiner Zeit in der Jugendbildung gab es Seminare mit polnischen, lettischen Teilnehmern oder auch deutsch-italienische Begegnungen. Aber erstaunlicherweise hatte ich noch nie explizit mit bzw. für Geflüchtete etwas gemacht. Ich war neugierig geworden, das jetzt endlich und einfach mal zu machen. Im Smalltalk auf dem Fest ergaben sich dann die ersten Ideen.

3) Warum engagierst du dich?

Ich hatte wie jeder andere durch die großen Flüchtlingswellen und die große mediale Präsenz der vielen Ereignisse natürlich und im Prinzip passiv viel davon mitbekommen, dass es eben viele Geflüchtete in Deutschland gibt. Letztes Jahr bin ich an einem damaligen großen Zeltdorf in der Nähe des Volksparkstadions vorbeigeradelt. Sah hinter dem Zaun die vielen Menschen. Es hat mich also schon beschäftigt. Man braucht immer einen Impuls, etwas zu machen. Nun, ich lebe auch von den Projekten, die ich mache. Aber es war einfach die Neugier, das Interesse, einfach direkt in Berührung zu kommen. Und über das Fest am Goldbekhaus kam dann eben der aktive Schritt. Für mich ist dieses Projekt also viel mehr als nur ein neuer Auftrag. Ich lerne so viel Neues, das ist wunderbar!

 4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

 Die reine Gruppe dauert rund drei Stunden pro Woche. Dazu Auf- und Abbau sowie die Vor- und Nachbereitung, Besorgung von Material, An- und Abfahrt. Am Anfang war auch viel Zeit für Werbung notwendig. Also im Schnitt so 25 Stunden im Monat.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

 Nichts.

 6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Ich bin ganz einfach begeistert von der Begeisterungsfähigkeit der Teilnehmer aus Eritrea. Sie sind sehr interessiert, offen und wissbegierig. Großen Respekt habe ich auch davor, dass sie trotz eines Aufenthaltes von nur einem Jahr so gut Deutsch sprechen und verstehen können. Beim Schreiben stoßen wir manchmal auf Wörter, die im Alltag hier mit Behörden und Co so gar keine Rolle spielen. Aber jedes unbekannte Wort hat seine Wichtigkeit. Wie das Wort „Hängebrücke“ zum Beispiel. Richtig toll ist auch, dass eigentlich sofort eine Selbstverständlichkeit des gemeinsamen Schaffens zwischen den deutschen und eritreischen Teilnehmern da war.

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Beim Schreiben ist ein Ansatz, Schreibanregungen zu geben. Am Tag der Wahl von Trump fand abends die Gruppe statt. Wie viele andere war ich sehr entsetzt und auch wütend über das Ergebnis. Emotionen sind für Texte, Szenisches oder auch Fotos sehr dankbar. So war dann meine Idee, ich zeige den Leuten ein Foto von Trump. Ich dachte, nun kocht es über, super, da können wir dann feurige kleine Textstücke darüber machen und spannungsreiche Fotos. Nun, bei einigen Deutschen war dann schon eine gewisse Empörung da (die Nachricht war mittlerweile auch schon 8 Stunden alt). Aber bei den Teilnehmern aus Eritrea, die alle Trump auch kannten und auch das Wahlergebnis, blieb es ruhig. Ganz nüchtern und gelassen schrieben sie einige Textfragmente dazu. Einer nutzte das Foto und beschrieb ihn einfach als Geschäftsmann und seine Kleidung. So wie man mit künstlerischer Freiheit einfach eine Beobachtung ganz anders nutzt. Die Emotionen für die inszenierten Fotos dann mussten wir jedenfalls ganz anders herstellen, ohne Trump. Und das Aha-Erlebnis war, abwarten und mehr Gelassenheit mit „dem“.

 8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

 Ja, das macht Lust auf mehr!

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

 Vielleicht ein klein wenig mehr Gelassenheit, das wird schon. Vielleicht noch ein paar weitere direkte Wege suchen, um Teilnehmer darauf aufmerksam zu machen. Aber insgesamt, war der Weg schon passend, so wie er sich entwickelt hat.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Einfach machen und sich mitnehmen und überraschen lassen. Und vielleicht aber auf jeden Fall auch mit Leuten plaudern, die einfach schon den ersten Schritt gemacht haben.

NACHGEFRAGT!: Werner + Lisa

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Wir betreuen drei aus Eritrea geflohene Paare mit ihren Kleinkindern. Die drei Familien leben in einer Barmbeker Flüchtlingsunterkunft. Dabei geht es um alle Bereiche des Aufenthaltsrechts, der sozialen Sicherung, des Wohnens, des Spracherwerbs, der beruflichen Orientierung und des alltäglichen Lebens. Natürlich geht es auch um Freizeitaktivitäten (Schwimmen gehen, Kulturveranstaltungen besuchen, Ausflüge machen).

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Nach einer Anti-AfD-Demo in der Hamburger Innenstadt haben wir uns für konkretes, nachhaltig wirksames Engagement in der Flüchtlingshilfe entschieden.

3) Warum engagierst du dich?

Wir wollen gegen ein sich verstärkendes Grundklima der gesellschaftlichen Verunsicherung und politischer Abgrenzung ein Zeichen des Willkommens setzen. Außerdem ist es eine spannende Erfahrung, unsere eigene Lebenspraxis und Selbstverständlichkeiten des Alltags in der Wahrnehmung durch Geflüchtete kritisch zu spiegeln.

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Es wurde schnell deutlich, dass sich das Engagement als Pate/Patin von Familien nicht auf feste Termine eingrenzen lässt. Die Lebenssituation der Geflüchteten und die sich aus Behördenkontakten ergebenden Notwendigkeiten erfordern eine ständige Präsenz und Ansprechbarkeit.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Abseits von immer neuen Problemen/ Erkenntnissen in spezifischen Verwaltungsabläufen ist es eine Herausforderung, Menschen, die man sprachlich nur in Ansätzen versteht, die „richtige“ Empfehlung zu ihrer Lebensgestaltung mit auf den Weg zu geben. Da braucht es viel Zeit, um Vertrauen und Verständnis füreinander aufzubauen.

 6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Wir haben einen sechsstündigen Gottesdienst der eritreischen, christlich-orthodoxen Gemeine erlebt. Der begann um 5 Uhr morgens und endete nach Taufe und Eheschließung mit einem Festmahl, zu dem traditionelles Essen gereicht wurde. Besonders spannend war es, dafür ein ganzes Lamm in Hamburg aufzutreiben. Darüber hinaus haben wir für eine der drei Familien eine Wohnung gefunden..

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Die mit viel gestischem Einsatz geführte Verhandlung über den Kauf und das Schlachten des Lamms beim Schäfer in Öjendorf war schon denkwürdig.

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Jederzeit

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Mehr Gelassenheit in den Kontakten gegenüber Behörden und Ämtern zeigen. Aufregung zerrt nur an der eigenen Kondition.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Unsere Erfahrung zeigt mir, dass man in kleinen Teams arbeiten sollte, um sich austauschen zu können und für einzelne Termine oder Aufgaben Hilfestellung zu erhalten.


Werner hat dieses Engagement über die Patenschaftsgruppe von Dieter Seelis von „Wir im Quartier“ gefunden. Doch es gibt auch noch viele neue NachbarInnen ohne Paten, sodass noch weitere Ehrenamtliche gesucht werden. Interessiert? Schau mal hier:  http://gemeinsam-mit-gefluechteten.de/ueber-uns/unsere-ags/patenschaft-und-begleitung/

Nachgefragt!: Nisihiti

Nisihiti ist in Eritrea geboren, seit über 20 Jahren in Deutschland und Hamburgerin. Gemeinsam hilft sie mit ihrem Mann den neuangekommenen Eritreern immer da wo es gerade nötig ist. So hat sie z. B. im letzten Jahr dafür gesorgt, dass die Eritreer binnen kürzester Zeit erste Sprachkurse besuchen konnten. Ihr Mann hat sich u. a. um Computerspenden und Sprachlehrsoftware in der Muttersprache Tigrinya gekümmert.

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Ich übersetze für eritreische Geflüchtete. Außerdem unterstütze ich sie im Alltag und sehe mich als Sprach- und Kulturvermittlerin.

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich bin von eritreischen Geflüchteten zufällig auf der Straße angesprochen worden, weil sie mich als Eritreerin erkannt habeb, mit der Bitte, für sie zu übersetzen. Die Not war sehr groß, da es nur wenige Menschen in Deutschland gibt, die sowohl Deutsch als auch Tigrinya auf Muttersprachniveau beherrschen.

3) Warum engagierst du dich?

Aus Mitgefühl. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, eine so anders strukturierten Sprache zu erlernen und sich gleichzeitig in einer völlig fremden Gesellschaft zurechtzufinden. Ich kann mich sehr gut in sie einfühlen, da ich vor vielen Jahren einen ähnlichen Weg gehen musste und weiß daher, dass sie meine Unterstützung brauchen und vieles alleine nicht bewältigen können.

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Kann ich nicht genau sagen, je nachdem was anfällt. Ich versuche aber ständig erreichbar zu sein.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Dass wir es mit vielen traumatisierten Menschen zu tun haben, die viele Probleme mit sich herumtragen und sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben. Das belastet mich manchmal sehr.

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Für mich ist es positiv, dass ich mit Sabine einen Lauftreff ins Leben rufen konnte, der inzwischen seit einem Jahr einmal wöchentlich stattfindet. Darüber sind soziale Kontakte und Freundschaften entstanden. Das macht mich sehr glücklich.

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Als ich mit einigen der Jungs beim Stand up Paddeln war. Ich hatte das nie zuvor gemacht und konnte gar nicht richtig auf dem Brett stehen. Das hat Aron, ein junger Geflüchteter, gleich bemerkt. Daraufhin hat er mich voll engagiert, mit viel Verantwortung, aber auch Humor den ganzen Tag auf dem Board angeleitet und mich keine Sekunde aus den Augen gelassen.

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Ja, auf jeden Fall. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Für mich ist es praktisch zur Pflicht geworden.

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde mehr auf meine Grenzen achten.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Zu allererst möchte ich mich bei all denen bedanken, die sich engagieren. Ich bin sehr glücklich, in einem Land zu leben, in dem die Menschen so mitfühlend sind. Das nehme ich nicht als selbstverständlich hin. Dass viele nicht anerkannte Geflüchtete, so auch jemand aus unserer Laufgruppe, von Hamburgern aufgenommen worden sind, hat mich sehr beeindruckt.
Grundsätzlich möchte ich die Leute ermutigen sich zu engagieren, denn wenn die Geflüchteten hier richtig ankommen, nützt das unserer Gesellschaft. Wenn sie sich mit unserer Hilfe integrieren können, sind sie keine Last, sondern ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Deshalb: Macht mit, wenn Ihr die Kraft habt, und nehmt auf beiden Seiten Rücksicht aufeinander.

NACHGEFRAGT!: Kathleen, 22 Jahre

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Ganz am Anfang habe ich Deutschkurse in Wilhelmsburg gemacht. Jetzt bin ich im Orga-Team von WiQ dabei und habe verschiedene Bereiche, wo ich „mitmische“. So organisiere ich Begleitungen und Sprachpatenschaften, helfe bei den Welcome Movies und versuche auch, hier beim Blog aktiv mitzumachen.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Im Rahmen meines Studiums habe ich ein halbes Jahr Praktikum im Goldbekhaus gemacht. In der Zeit entstand auch die Initiative. Durch die Deutschkurse war ich am Thema sowieso interessiert und habe mich dann immer mehr mit eingebracht.

 

3) Warum engagierst du dich?

Alles hat eher zufällig angefangen. Dann habe ich gemerkt, was für tolle Menschen man durch dieses Engagement treffen kann. Das motiviert mich auch immer wieder, weiterzumachen.

 

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Ist schwer zu sagen. Mal mehr, mal weniger aber letztendlich so einige Stunden in der Woche.

 

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Wenn Projekte entstehen, sind immer viele Leute beteiligt. Alle Ideen, Meinungen und Interessen unter einen Hut zu kriegen, finde ich schwierig aber tatsächlich kann es auch gelingen. Ansonsten gibt es Angebote, die einfach mehr Zeit brauchen, um sich zu etablieren und auch die Menschen müssen erst richtig ankommen. Das erfordert auf jeden Fall einen langen Atem.

 

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Menschen finde ich super! Z.B. immer wenn der Film beim Welcome Movie vorbei ist, fassen alle mit an und räumen auf, sodass nach ein paar Minuten schon alles erledigt ist. Manchmal kann man gar nicht so schnell gucken wie alle Stühle schon weggestellt sind :).

 

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Manche der Leute sind zu Freunden geworden und wenn ich mit denen über whatsapp schreibe, kommt es öfter zu Missverständnissen. So habe ich einen Geflüchteten zum Welcome Movie eingeladen und ihm vorgeschlagen, dass er auch seine Freunde mitbringen kann. An dem Abend hatten seine Freunde allerdings keine Zeit und er dachte, er dürfte nicht vorbeikommen, wenn er nur alleine kommt. Das war natürlich nicht so. Als das aufgeklärt war, setzte er sich kurzerhand doch noch in den Bus und kam dazu – der Film lief zu dieser Zeit schon eine Stunde.

 

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Auf jeden Fall!

 

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde mehr Prioritäten setzen, um meine Energie genau in die Sachen zu stecken, die ich für sinnvoll halte. Ich würde auch versuchen noch offener auf die Menschen zuzugehen.

 

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Sich nicht zu viele Gedanken machen. Letztendlich geht es nur darum, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten und gemeinsam etwas zu unternehmen. Da müssen nicht alle Eventualitäten vorher abgeklärt werden. Es hilft, einfach offen für neue Ideen zu sein.

NACHGEFRAGT! : Paula, 18 Jahre – im FSJ bei „Q8 – Quartiere bewegen | Winterhude-Uhlenhorst“

Paula macht gerade ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) bei Q8. Q8 hat zusammen mit dem Goldbekhaus und der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst unsere Initiative gegründet.

Was ist Q8 eigentlich?

Q8 ist ein Projekt für Quartiersentwicklung, das daran arbeitet das Miteinander im Quartier inklusiv, bedürfnisgerecht und zukunftsorientiert zu gestalten. Alle Bewohnerinnen und Bewohner sollen gut und selbstbestimmt im Quartier leben können und das so lange wie möglich. Verschiedenste Unterstützungsformen von Selbsthilfe über Ehrenamt bis hinzu professioneller Hilfe sollen dies ermöglichen. Q8 bringt Bewohnerinnen und Bewohner, Unternehmen und Institutionen zusammen, unterstützt bei der Vernetzung und verbindet Aktivitäten vor Ort um ein Zusammenleben ohne Ausgrenzung zu schaffen.

 

 

Nun zu Paula:


1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Mein Engagement umfasst sowohl Konfirmandenarbeit in der Kirchengemeinde Sasel, als auch mein Freiwilliges Soziales Jahr bei „Q8 – Quartiere bewegen | Winterhude-Uhlenhorst“. In der Konfirmandenarbeit umfasst es den Konfirmandenunterricht an acht Samstagen und zehn Tagen „KonfiCamp“.

Bei Q8 sind meine Aufgaben sehr vielfältig. Häufig übernehme ich mit anderen Ehrenamtlichen einen Einsatz beim „Winterhuder Tischnachbarn“ – dem Nachbarschaftstreff und Mittagstisch im Quartier- und bin auch in anderen Bereichen der Quartiersentwicklung eingebunden.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich bin über meine eigene Konfirmandenzeit an mein Engagement gekommen. In der Zeit habe ich viele tolle Erfahrungen gemacht und bin dann den Weg gegangen, selbst als Gruppenleiterin Konfirmandenunterricht zu geben.

Die Tatsache, dass ich vor meinem Studium etwas Sinnvolles und Erfahrungen sammeln wollte, hat mich zu Q8 gebracht.

 

3) Warum engagierst du dich?

Mir ist bewusst, dass ich es sehr gut in meinem Leben habe und dass dies nicht selbstverständlich ist. Deshalb möchte ich mich für die einsetzen, die es nicht so einfach haben und helfen, wo Unterstützung gebraucht wird.

 

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Die Konfirmandenarbeit fordert ungefähr einmal im Monat meinen Einsatz, während ich in Q8 jeden Tag beschäftigt bin.

Dort mache ich auch ungefähr viermal im Monat einen Einsatz im „Winterhuder TischNachbarn“ – dem Mittagstisch im Quartier.

 

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Mit den Konfirmanden ist es teilweise schwierig, sie zu erreichen, weil sie gerade in dem Alter sind, wo Grenzen ausgetestet werden und sie den Begriff „cool sein“ für sich entdecken. Themen wie Kirche, Glaube und Nächstenliebe haben nicht ganz obere Priorität.

Bei Q8 ist es noch schwierig für mich, alle Prozesse und Zusammenhänge im Quartier zu durchschauen, aber ich komme langsam rein.

 

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Regelmäßig schaffen es die Konifs, mich zu begeistern, wenn sie mitarbeiten oder sich doch gegen alle Gesetze des „Cool-Seins“ füreinander und für ihre Gruppenleiter einsetzen.

Bei dem Nachbarschaftstreff bin ich regelmäßig begeistert, was die älteren Nachbarn zu erzählen haben und dass sie teilweise eine halbe Stunde zu Fuß mit Rollator angelaufen kommen, um eine Stunde mit ihren Nachbarn zu essen und zusammen zu sitzen.

 

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Wenn man mit 13- und 14-Jährigen 10 Tage auf einem großen Sommerlager verbringt, kommen natürlich zahlreiche lustige Erlebnisse zusammen. Eine Unterrichtseinheit konnten wir zum Beispiel überhaupt nicht machen, weil wir nach „Stille Post“ nicht aufhören konnten zu lachen.

 

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Sicher! Wenn mein FSJ endet, werde ich mir ein Ehrenamt suchen, welches sich mit meinem Studium verbinden lässt. Den Winterhuder TischNachbarn verlassen zu müssen, würde mir jetzt schon schwer fallen, also vielleicht bleibe ich da…

 

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Im Rückblick erkenn ich, dass ich mir noch während der Schule, bzw. nach meinem Abitur eine ehrenamtliche Beschäftigung hätte suchen können. Sei es Kleidung in den Messehallen sortieren oder bei dem Seniorencafé in meiner Kirchengemeinde helfen.

 

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Wichtig ist, dass man etwas findet, wo man Gutes tut, was einem selbst gut tut.

 

NACHGEFRAGT!: Klaus, 74 Jahre alt

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Im Souterrain der Heilandskirche im Winterhuder Weg 132 bin ich in unserer Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge tätig.


2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Im Januar 2016 war ich in der Ilse Löwenstein Schule dabei, als die künftige Unterkunft Heinrich-Hertz Str. vorgestellt wurde und zu verschiedenen Aufgaben Hilfsbereite gesucht wurden. Ich trug mich in eine Liste ein und erhielt anschließend etliche mails zur Information.


3) Warum engagierst du dich?

Weil ich gern anderen Menschen helfe und meine, dass die Flüchtlinge unsere Unterstützung besonders benötigen.


4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Mit allem Drumherum wie Material bestellen, Räder transportieren etc. – die eigentliche Öffnungszeit der Werkstatt beträgt nur vier Stunden (montags von 10:00 bis 14:00 Uhr) – je Woche so etwa acht Stunden.


5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Schwierig wird’s, wenn unsere Flüchtlinge nur geringe oder keine Deutschkenntnisse haben. Aber häufig springen dann andere beim Übersetzen ein. Und Isabel sei Dank!, die bislang regelmäßig montags dabei war und außerdem an den anderen Wochentagen sehr viel Zeit den Familien in der Unterkunft widmet, sie hat dann mit ihrer hierdurch erworbenen Kenntnis der Personen und auch Sprache toll geholfen.


6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?
7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Positiv und gut für´s eigene Innenleben ist es immer, wenn Flüchtlinge, nachdem sie an „ihrem“ künftigen Rad gewerkelt hatten, dies strahlend in Empfang nehmen.
Und dann freue ich mich regelmäßig über die Fahrradspenden unserer Mitmenschen und bin ab und zu schon erstaunt, auf welchem Wege sie von unserem Bedarf hörten. Toll!

Und so richtig Negatives, was einem die Socken auszieht, hab´ ich bislang glücklicherweise noch nicht erlebt.


8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Ja, sehr gern.

Eine weitere Öffnungszeit (nachmittags so etwa ab 15:00 Uhr) je Woche würde gut sein, allerdings fehlt mir hierfür die Zeit. In eigener Sache: Hilft jemand mit? Große Vorkenntnisse sind nicht nötig!


9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Tja, schwierige Frage. Es wäre sicher von Vorteil gewesen, wenn wir besser vorbereitet hätten starten können. Aber so ging´s wohl auch anderen Hilfsbereiten. Wobei wir von Welcome to Barmbek und auch durch zahlreiche Infos per mail etc. unterstützt wurden, die allesamt gut für die allgemeineren Themen in der Flüchtlingshilfe waren, aber verständlicherweise nicht speziell für unsere Fahrradwerkstatt. So mussten wir uns also durchhangeln, was aber – wie wir meinen – bislang auch vor allem mit Hilfe der Heilandskirche und der Pfarrgemeinde St. Sophien, recht ordentlich gelang. Wir würden unsere Erfahrungen auch gern weitergeben, Kooperationen zeichnen sich ab.


10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Einfach frischen Mutes anfangen und sich nicht gleich von irgendwelchen eigenen oder Bedenken anderer abhalten lassen: Es macht unheimlich viel Spaß, auch eventuell mal Neuland für sich zu betreten, die Hilfsbereitschaft anderer Ehrenamtlicher hierbei ist riesengroß. Ich bin begeistert, welches Netzwerk mittlerweile zusammengebastelt wurde.

NACHGEFRAGT!

Engagement mit Geflüchteten hat viele Gesichter und Facetten, denen wir mit unserer neuen Interviewreihe NACHGEFRAGT! auf den Grund gehen möchten. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass in den gemeinsamen Projekten mit den neuen Nachbarn jede Menge Spannendes passiert, über das es sich zu berichten lohnt und von dem wir gegenseitig profitieren können. Um den Erfahrungsaustausch zu fördern, möchten wir diesen Geschichten ein Forum geben. So entstand die Idee, ein Format zu entwickeln, in dem die Befragten präzise und mit möglichst wenig Zeitaufwand Auskunft geben können und das es den LeserInnen ermöglicht, gezielt Informationen zu finden und zu vergleichen. Wir hoffen mit den zehn Standardfragen einige Kernpunkte der Arbeit mit den Neuangekommenen zu treffen und euch interessante Einblicke zu liefern. Künftig werden wir regelmäßig ein neues Interview mit (ehrenamtlichen) HelferInnen veröffentlichen. Damit diese Informationen nicht verloren gehen, findet ihr jedes Interview auch in unserem Nachgefragt!-Archiv.

Du engagierst dich auch und möchtest ein paar deiner Erlebnisse teilen? Beantworte ebenfalls die Fragen! Wir veröffentlichen sie gerne.

Heute ein erster Einblick von der lieben und sehr engagierten Lina:

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Unterstützung bei einzelnen Veranstaltungen, bspw. Stadtteilspaziergang, Weihnachtsfeiern im Wiesendamm & Hufnerstraße, „Give Shelter Nights“.
Interkulturelles Training für Ehrenamtliche.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich hatte im letzten Winter ein paar Monate „Übergangszeit“ zwischen meinem alten und meinem jetzigen neuen Job und wollte irgendetwas „sinnvolles“ tun. Über „Wir im Quartier – Gemeinsam mit Geflüchteten“ habe ich Kontakt zu Gleichgesinnten gefunden und über gemeinsame Überlegungen und die Kooperation mit „Welcome to Barmbek“ habe ich Bereiche gefunden, in denen ich unterstützen konnte.


3) Warum engagierst du dich?

Ein vernünftiges Zusammenleben funktioniert meines Erachtens nur, wenn jeder bereit ist, etwas zur Gemeinschaft beizusteuern. Zudem ist es enorm wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen, um ein gegenseitiges Verständnis erreichen zu können.


4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Unterschiedlich, da eher unregelmäßig.


5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Immer mal wieder die Koordination innerhalb der Gruppe der Ehrenamtlichen, da hier die unterschiedlichsten Vorstellungen und zeitlichen Möglichkeiten aufeinandertreffen und trotzdem unter einen Hut zu bringen sind.

Teilweise auch die Kommunikation/Koordination mit anderen Einrichtungen.


6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Die Offenheit eines älteren Herren aus Syrien, der über die Schwierigkeiten berichtete, seine Frau und weitere Kinder und Enkel aus der Türkei im Sinne des Familiennachzugs nach Deutschland zu holen. Seinen 3-jährigen Enkel hatte er noch nie persönlich gesehen.


7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Die umfangreiche Suche in einer Kleiderkammer nach einem Schneeanzug für ein Baby. Da wir nur die Beschreibung des Babys, „he’s a very big baby“, von der Mutter hatten, kamen zunächst alle Schneeanzüge mit dem Kommentar: „Too small. He’s a very big baby“ wieder zurück…


8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Definitiv! Derzeit überlege ich, ein weiteres Training interkulturelle Kompetenz für Ehrenamtliche anzubieten.

Eine weitere Idee ist zu prüfen, ob es im Umfeld von „Wir im Quartier“ und/oder „Welcome to Barmbek“ Bedarf geben könnte, unverbindlich Infos/Erstberatung zur Anerkennung von Studienabschlüssen, (Wieder-) Aufnahme eines Studiums in Deutschland, Hochschulzugangsberechtigung, allgemein zum deutschen Hochschulsystem anzubieten.


9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde eher sagen, dass man aus allen Erfahrungen etwas lernt und dieses Wissen für die Zukunft einsetzen sollte.


10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Überlege, was du kannst, wo deine Stärken sind. Vielleicht hast du über deine eigene Ausbildung, Beruf oder Hobbies Kenntnisse oder Fähigkeiten, die anderen helfen oder ihnen Freude bereiten könnten.
Erwarte nicht zu viel. Wir können nur Angebote machen. Ob diese von Geflüchteten angenommen werden, ist ganz allein deren eigene Entscheidung.
Habe Geduld. Manchmal dauert es eine Weile, bis sich ein Angebot rumgesprochen hat und angenommen wird.

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