Kategorie: Sprache und Begegnung

Ein Schneider in der neuen Heimat

Youssef Al-Nahar, ein kreativer und professioneller Schneider, wurde in Damaskus geboren. Er erlernte den Beruf des Schneiders schon in jungen Jahren.

Er verließ seine geliebte Stadt Damaskus, nachdem er in den Gefängnissen des Assad-Regimes gelitten hatte.

Der verdammte Krieg hat seine Erinnerung und seine Kommunikationsfähigkeiten geprägt. Er verlor sein Gehör, nachdem neben ihm eine Bombe explodierte, sodass er nicht einmal mehr die Stimme seiner Mutter hören konnte, als er sein Land verließ. Der Krieg in Syrien hat viele Leben, die Bestrebungen der Menschen, ihre Zukunft und sogar ihren Körper verändert. Also beschloss Youssef, aus seinem Land auszuwandern, dies war eine schwierige Entscheidung für ihn.

Die Wellen brachten ihn nach Deutschland und dort versuchte er, die deutsche Sprache zu lernen, aber sein Hörverlust verhinderte dies. Eine der deutschen Organisationen konnte durch eine Schneckenimplantation im Ohr einen Teil seines Gehörs wiederherstellen.

Youssef arbeitet jetzt im Goldbekhaus für die offene Nähwerkstatt. Dies ist ein Programm, das denjenigen das Nähen beibringt, die es lernen möchten und ihnen hilft, ihre Kleidung zu reparieren und wie man die notwendigen Werkzeuge benutzt, wie zum Beispiel: die klassische Nähmaschine und die Overlock-Maschine. Während der Corona-Pandemie arbeitete Youssef daran, Mund-Schutz-Masken zu nähen, welche dann an Bedürftige verteilt wurden. Während des Lockdowns gibt er sein Wissen weiter, indem er Videos in seinen sozialen Medien und auf der Goldbekhaus-Seite veröffentlicht. 

Am Ende hofft Youssef, ein aktives Mitglied der deutschen Gesellschaft zu sein und die Gunst der Bundesregierung und des gastfreundlichen deutschen Gesellschaft zu erwidern.

Lerne mit Youssef

Youssef stellt die offene Nähwerkstatt vor
Lerne eine Tasche zu machen

Erfahren sie, wie sie eine Maske herstellen

Foto: Mutaz En

Arabische Kultur im Exil


Es gibt immer Dinge, die Menschen auf der Welt zusammenbringen, und jeder Mensch interpretiert sie gemäß seiner eigenen Kultur.

Wenn wir etwas über andere Kulturen hören, ist das erste, was uns in den Sinn kommt, die Ethnizität oder Ethnie, zu der der Einzelne gehört.

In Wirklichkeit geht die Kultur jedoch viel weiter, da wir alle Teil verschiedener kultureller Gruppen sind. Für uns ist es wichtig zu wissen, dass sich unsere kulturelle Identität entwickelt und verändert, wenn sich die Umstände um uns herum oder der Ort, an dem wir leben, ändern.

Heute lebe ich im deutschen Bundesland Hamburg, obwohl ich meine syrische Nationalität und meine arabische Kultur mit mir herumtrage, die ich sehr schätze. Deshalb habe ich versucht, durch die Einrichtung arabischer Veranstaltungen zur Verbreitung meiner arabischen Kultur in der Diaspora beizutragen. Ich konnte ein Netzwerk arabischer Kulturveranstalter/innen in Hamburg ins Leben rufen und einige arabische Kulturveranstaltungen in Berlin organisieren sowie weitere Veranstaltungen in kleinen Städten.

Um die deutsche Kultur zu verstehen, engagierte ich mich ehrenamtlich im Kulturzentrum Goldbekhaus. 

Ich habe dem Verein viele Projekte vorgestellt, die die arabische Kultur repräsentieren, aber leider konnte ich sie vor Ort aufgrund der Corona-Pandemie, die die Welt erfasst hat, nicht wiederbeleben.

Durch meine Erfahrung in diesem Verein fand ich andererseits tiefgreifende kulturelle Unterschiede zwischen arabischer und deutscher Kultur. 

Zum Beispiel gibt es in unserer arabischen Sprache viele Vokabeln, die eine gute Bedeutung haben, aber in der deutschen Kultur kann es etwas Schlechtes oder Rassistisches bedeuten.

Wenn wir auf Arabisch zum Beispiel sagen, der Mann mit den „weißen Hände“, dann ist das eine Beschreibung von Eigenschaften und meint diejenigen, die ehrlich und ohne Gegenleistung im Dienst der Gesellschaft arbeiten, und es drückt auch die Reinheit und Aufrichtigkeit des Mannes aus. In der deutschen Gesellschaft könnte die Beschreibung des „Mannes mit den weißen Händen“ rassistisch verstanden werden, da die Farbe „weiß“ der Hände als Beschreibung der Hautfarbe zugeordnet würde.

Als ich einen Artikel für das Goldbekhaus schrieb, indem es um Integration ging, schrieb ich in einem Satz, dass die Geflüchteten „von weißen Händen aufgenommen“ wurden. Meine Kollegin schaute mich mit großen Augen an und fragte mich, warum „Weiße Hände“, ist die Farbe der Hände wichtig? Vielleicht waren es auch schwarze Hände oder einfach nur Hände?

Ich sagte ihr, dass die Farbe Weiß Reinheit des Herzens und Frieden der Seele bedeutet. Daraufhin lachte sie erleichtert und wir lachten zusammen und freuten uns darüber, wie unterschiedlich Sprachen und die Bedeutungen dahinter sind. Doch leider brachte diese Erkenntnis auch eine Enttäuschung mit sich. In meiner Zeit als Journalist in Syrien hatte ich einen breiten Wortschatz entwickelt und viele Metaphern im Kopf. Viele dieser Wörter und Metaphern lassen sich nicht einfach in die deutsche Sprache übersetzten. Es gibt so viel was ich als Journalist in Deutschland von Grund auf neue lernen muss.

Auf jeden Fall müssen wir – damit meine ich alle Menschen – alle Kulturen akzeptieren, denn heute versuchen wir – die Geflüchteten im Exil – unsere neue Heimat zu finden, und wir müssen die Kultur der neuen Heimat akzeptieren und unsere arabische Kultur verbreiten, damit die deutsche Gesellschaft sie versteht.

Schließlich möchte ich, dass die in Deutschland tätigen Kulturverbände und Institutionen die arabischen Kulturaktivitäten unterstützen und näher beleuchten, weil heute viele Personen aus arabischen Ländern in Deutschland leben und Menschen Kulturen austauschen müssen, weil Kultur ein Weg ist, Menschen besser kennenzulernen.

Ahmad AL Zaher

Foto: Mutaz En

Geflüchtete Musiker_innen und (Musik-)Pädagog_innen aufgepasst!

Die Stiftung Kultur Palast bietet ein Qualifizierungsprojekt für Musiker_innen und (Musik-)Pädagog_innen, die aus Ihrem Heimatland flüchten mussten und nun in Deutschland ihren Berufseinstieg planen. Kurz gesagt geht es um musikalische Früherziehung in Zusammenarbeit mit Hamburger Kitas und der HAW Hamburg. Eingebettet ist das Ganze in den Bundesfreiwilligendienst. Die Weiterqualifizierung dauert insgesamt 18 Monate und startet bereits am 1. September 2017. Der Arbeitsumfang beträgt 25 Wochenstunden. Wer noch nicht perfekt Deutsch spricht, muss sich keine Sorgen machen, denn es besteht die Möglichkeit zusätzlich 14 Stunden in der Woche einen Sprachkurs auf B2-Niveau zu besuchen. Ziel dieser Maßnahme ist es im Anschluss in Hamburger Kitas zu unterrichten. Interesse geweckt? Dann einfach die folgenden Unterlagen downloaden und bei der Stiftung Kultur Palast melden:

Stiftung Kultur Palast Hamburg
Öjendorfer Weg 30a, 22119
Persönliche Auskunft unter Tel.: 040-822 45 68 29
E-Mail: ime@kph-hamburg.de

Ausschreibung_final IME Projektinfo_externe Kitas Steckbrief

 

SICHTWEISEN: VORSICHT

Eine Veranstaltungsreihe von »WIR IM QUARTIER«
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Viele tausend Menschen haben sich seit dem zunehmenden Zustrom von geflüchteten Menschen engagiert, um eine gelingende Integration zu ermöglichen.
Gleichzeitig entstehen Bewegungen, die auf einfache Lösungen setzen. Parolen ersetzen den Diskurs, Fakenews erschweren die Bewertung von Informationen. Das konstruktive Miteinander der Gesellschaft ist massiv gestört, es beginnen Lager- und Grabenkämpfe und die eigentlich notwendige gemeinsame Einigung auf Lösungsansätze gerät in den Hintergrund.
Die Veranstaltungsreihe »SICHTWEISEN« soll alle Menschen erreichen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, aber auch alle, die sich nach Strategien und Diskussion im Umgang mit Populismus, Rassismus und gesellschaftlicher Spaltung sehnen.

Mittwoch, 31. Mai um 19:30 Uhr
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Vorsicht: Gewinner und Verlierer in der Globalisierung?

Umstrittene Schlagwörter wie »Fortschrittsverlierer« und die »sozial Abgehängten« rücken die Schattenseiten der Globalisierung in den Vordergrund. Kritisch wollen wir untersuchen, was Globalisierung überhaupt bedeutet. Welche realen, welche angenommenen Folgen hat sie für uns? Ist sie »alternativlos«?
Welche sozial tragenden Perspektiven ergeben sich, wie kann ein zukünftiger gesellschaftlicher Wandel aussehen?
Fragen wie diese wird uns Anna Braam, Sprecherin und im Vorstand der »Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen«, Jugend-Delegierte beim UN Klimagipfel und engagiert in der Flüchtlingsarbeit, an dem Abend beantworten.
Künstlerisch wird das Ganze mit Poetry Slam verknüpft. Armin Sengbusch und Hartmut Pospiech aus der Hamburger Slamszene steigen auf einer anderen Ebene ein, greifen das Thema der Veranstaltungsreihe „Der Populismus unserer Zeit“ auf und eröffnen uns neue Sichtweisen auf das Thema.
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Goldbekhaus | Bühne zum Hof | Eintritt frei

‚Departed – Unter Feinden‘ sorgt für Diskussion

Beim Jahresauftakt der Welcome Movies zeigten wir ‘Departed’, den blutigen Gangsterstreifen des dafür mit einem Oscar ausgezeichneten Regisseurs Martin Scorsese. Der Film setzte sich im Dezember bei der Publikumswahl knapp gegen den mehr oder weniger zum selben Genre gehörenden ‚Bube, Dame, König, GrAS‘ von Guy Ritchie durch. Nach der gestrigen Vorstellung wurden von Seiten einiger Ehrenamtlicher (nicht zum ersten Mal) kritische Stimmen wegen Gewaltszenen laut. Die Frage kam auf, ob den Geflüchteten, von denen viele traumatisiert sind, solche Filme überhaupt zuzumuten seien?
Wir im Welcome‑Movie‑Team, das sind Kathleen, Adrian und ich (Sabine), haben selbst Kontakt mit Geflüchteten und sehen das eher entspannt. Ich von meiner Seite kann berichten, dass mich manche Eritreer aus unserer Laufgruppe verschiedentlich nach Action-Filmen gefragt haben und auch der gestrige Film gut bei ihnen ankam. Traumata waren da bislang kein Thema. Da mag es jedoch andere Erfahrungen geben.

Die Ursprungsidee unserer Veranstaltung vor fast einem Jahr war, Leuten die Möglichkeit zu geben deutschsprachige Filme in Kinoatmosphäre zu sehen und Kontakte zu knüpfen. Am Anfang fiel unsere Auswahl dann auch erstmal auf deutsche Filme – klar so konnten wir nebenbei auch noch ein paar Geschichten über Land und Leute erzählen. Aber Kino ist nunmal vielmehr als deutscher Film und so haben wir das Spektrum erweitert und gleichzeitig beschlossen Euch jeden Monat die Möglichkeit zu geben aus einer Handvoll Filme Euren Publikumsliebling zu wählen. Filmwünsche von Euch sind uns dabei sehr willkommen: Ihr könnt sie uns persönlich oder unter wir-im-quartier@goldbekhaus.de mitteilen.
Für uns zählt der Spaß am gemeinsamen Kinoerlebnis und wir meinen, dass jede/r selbst entscheiden sollte, was sie oder er sich zumuten möchte. Wie seht Ihr das? Habt Ihr eine Meinung oder Erfahrungen zum Thema Gewalt in Filmen und Traumata?

Erster Movie im Neuen Jahr

Die Welcome Movies sind zurück mit der ersten Vorstellung im Neuen Jahr. Wer Informationen über den Film haben möchte, ruft bitte unter 040/278702-0 an. So viel sei gesagt, es wird ein aufregender Abend, der allerdings diesmal nicht für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren geeignet ist. Das kann sich natürlich schon bei unserer nächsten Filmvorstellung wieder ändern. Das habt ihr in der Hand, denn auch morgen Abend könnt ihr wählen, welchen Film ihr beim nächsten Mal sehen wollt. Also seid dabei: Mittwoch, 18. Januar um 19:30 Uhr in der Bühne zum Hof. Wir sehen uns!

SCHÖN MITEINANDER!

„Unser“ BFD-Welcome Mazen sagt: „Es ist richtig schön miteinander!“
Wir finden das auch und möchten deshalb mit Mazen sowie ganz vielen anderen „alten“ und „neuen“ NachbarInnen feiern. Wir wollen gemeinsam tanzen, lachen und uns kennenlernen. Wir freuen uns auf einen wundervollen Abend, nach dem alle BesucherInnen, HelferInnen, die Moderation sowie der DJ sagen werden: „Schön miteinander“.

Freitag, 17. Februar im Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9 | Eintritt frei

Nachgefragt!: Sabine

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Ich habe vor einem Jahr mit einem Lauftreff für Geflüchtete angefangen, der einmal die Woche stattfindet. Daraus entwickelte sich dann schnell mehr: abgesehen von patenschaftsähnlichen Aufgaben konnte ich gemeinsam mit den Geflüchteten auf deren Bedürfnisse zugeschnittene Angebote entwickeln. So ist z. B. die Reihe ‚Welcome Movie‘ entstanden. Die Geflüchteten hatten mir damals berichtet, dass sie in ihren Unterkünften weder Fernsehen noch Computer haben und somit kaum Gelegenheit hätten, deutsche Sprache zu hören.
Mein neuestes Projekt ist ein Computerkurs, den ich gemeinsam mit einer Freundin beantragt habe und der hoffentlich im Dezember einmal wöchentlich stattfinden wird.

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Indem ich mir überlegt habe, was ich selbst gerne mache und daher mit anderen teilen würde und das ist der Laufsport. Über ein Treffen der der Initiative „Wir im Quartier“ habe ich dann Nisihiti kennengelernt, die mir den Kontakt zu damals in Langenhorn untergebrachten Eritreern hergestellt hat.

3) Warum engagierst du dich?

Weil ich die Gesellschaft aktiv mitgestalten möchte.

 4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Das variiert je nachdem, was gerade anfällt. Mindestens jedoch acht Stunden die Woche.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

An meinem Engagement selbst nichts. Schwierig finde ich eher, dass der Tag nur 24 Stunden hat 😉

 6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Die positive Haltung, der starke Wille, die hohe soziale Kompetenz und die Zuverlässigkeit meiner Laufkollegen beeindrucken mich sehr.  Sie haben meinen Horizont erweitert und ich habe gelernt Dinge auch mal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Eines Tages kam ein junger Kasache zu unserem Lauftreff. Er lief mit Jeans und Straßenschuhen mit uns um die Alster, was erstmal nichts Ungewöhnliches ist, da die meisten Teilnehmer anfangs keine eigene Sportkleidung besitzen. Einer unserer eritreeischen Läufer, der mit ihm in derselben Unterkunft lebte, hatte ihn mitgebracht. Dieser Eritreer sprach jedoch damals weder Deutsch noch Englisch, so dass er sich mit dem Kasachen gar nicht verständigen konnte. Auf meine Frage, wie unser Läufer ihm überhaupt von unserem Treff erzählt habe, antwortete der junge Mann lachend, der Eritreer habe ihn wild gestikulierend aufgefordert mitzukommen und den Eindruck erweckt, als stünde ein unglaublich wichtiger Termin an. Der Kasache sei daraufhin so verunsichert gewesen, dass er sich entschieden habe, dass es besser sei, den Termin nicht zu verpassen und seinem eritreeischen Freund zu folgen. Jedenfalls staunte er nicht schlecht, als er sich plötzlich in einer Umkleide wiederfand und ohne Sportkleidung um die Alster laufen sollte. Ab dann kam er jede Woche, bis er leider nach Bayern verlegt wurde.

 8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Auf jeden Fall.

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Gelassener sein und den Vorurteilen von manchen Deutschen rigoroser begegnen. Mit dem heutigen Wissen würde ich teilweise andere Prioritäten setzen und meine Energie in die wirklich wichtigen Angelegenheiten stecken. Es gibt immer so viel zu tun und so viele Anliegen, dass man erst mit der Zeit lernt die jeweilige Relevanz besser einzuschätzen.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Überlegen, was man gerne tut und wohinter man steht. Denn wenn man sich selbst für eine Sache begeistert, dann begeistert man auch andere dafür. Und dann einfach anfangen, mit einer gewissen Leichtigkeit, ohne große Erwartungen, mit Geduld, Gelassenheit und Einfühlungsvermögen. Lasst den Leuten Zeit, sich für eure Angebote zu interessieren, geht immer wieder auf sie zu und fragt sie nach ihren Bedürfnissen und Interessen. Wer konkrete Angebote machen möchte, sollte diese flexibel gestalten, um auf spezielle Umstände und Bedürfnisse der Geflüchteten reagieren zu können, die man im Vorfeld nicht einkalkulieren kann.

Welcome Movie oder manchmal kommt es anders…

Als ich gestern beim Zahnartz war, schob die Arzthelferin mit einem entschuldigenden Lächeln einen rotbesprenkelten Anamnesebogen in meine Richtung über die Theke mit den Worten: „Das ist kein Blut, unser Drucker spinnt.“ Während ich den Bogen ausfüllte, brauchte die Arzthelferin mehrere Anläufe, um meine Chipkarte einzulesen: „Entschuldigen Sie, irgendwie will das Kartenlesegerät gerade nicht so, wie ich will.“ Wenig später stand ich vor dem Röntgengerät, den Kopf fest in eine Halterung eingespannt und dabei auf einen Plastikkeil beißend. Auf das „jetzt geht’s los“ der Röntgenassistentin folgte: nichts. Nervös wurden Knöpfe gedrückt, die Maschine wieder aus‑ und eingeschaltet, Verstärkung geholt. „Geht’s noch bei Ihnen?“ wurde mit besorgtem Unterton gefragt. „Mhm“ bejahte ich mit festgezurrtem Kopf und zusammengebissenen Zähnen. „Es tut uns wirklich leid, irgendwas stimmt heute mit der Technik nicht.“ Wie recht sie mit diesem Satz hatte, konnte ich noch nicht ahnen, als ich mich auf den Weg zum Goldbekhaus zum gestrigen Welcome Movie machte.

Dort angekommen, stieß ich auf verschlossene Türen und einige enttäuschte Eritreer, die mich fragten, ob das Kino heute gar nicht stattfinde? Zwar hatte mich kurz vorher die Nachricht erreicht, dass eine unserer Hauptorganisatorinnen ein übler Infekt erwischt hatte, aber ins Wasser fallen würde der Kinoabend deshalb nicht. Also machte ich mich auf, um die restliche Movie-Crew zu suchen und fand lediglich einen hektisch telefonierenden Adrian, der mir eröffnete, dass nicht nur weitere Helfer ausfielen, sondern zu allem Überfluss auch noch unser Techniker krank geworden war. Zu diesem Zeitpunkt blieben uns noch 45 Minuten, um Knabbereien und Getränke zu besorgen und am aller wichtigsten den Film ans Laufen zu bringen. Zum Glück erklärten sich die bereits anwesenden Zuschauer sofort bereit mit anzupacken, so dass wir trotz einer kleinen Verzögerung beginnen konnten. Wir starteten mit den Trailern der Wahl-Filme für unser Weihnachtsspecial am 21. Dezember. Die Abstimmung fiel sehr knapp für einen für alle Altersklassen tauglichen Weihnachtsfilm und gegen einen Action-Movie aus, was von Seiten einiger Jungs sehr bedauert, von anderer Seite jedoch mit Erleichterung zu Kentniss genommen wurde. Und dann ging endlich der Hauptfilm los. Gezeigt wurde diesmal wieder ein Stück Deutsch-Deutsche-Geschichte mit dem vielfach preisgekrönten Film aus dem Jahr 2006 von Florian Henckel von Donnersmarck ‚Das Leben der Anderen‘. Nur leider stellte sich in den ersten Minuten heraus, dass der Ton nicht über Stereo lief und daher viel zu leise war. Wir unterbrachen den Film und Adrian besorgte in Windeseile einen Laptop, der den DVD-Player ersetzen und das gewünschte Tonergebnis liefern sollte. Aber auch mit diesem Gerät Fehlanzeige. „Irgendwas stimmt mit der Technik heute nicht“ schoss es mir durch den Kopf.

Ungefähr zwei Laptops und vier DVD-Player später, als sich bereits einige Zuschauer höflich verabschiedet hatten und die übrigen alten und neuen Nachbarn völlig ins Gespräch vertieft waren, schaffte es Adrian doch noch Film und Ton in Einklang zu bringen. Inzwischen fand ich das fast schade, weil sich eine wirklich schöne Szenerie entwickelt hatte. Auf den Knien eines jungen eritreischen Mannes hatte es sich ein kleiner Junge aus Syrien bequem gemacht. Beide spielten einträchtig zusammen ein Spiel auf dem Handy und kommunizierten auf Deutsch. Hier und da hörte ich Fragen, wie „Gibt es in Eritrea eigentlich auch Kindergärten?“ und engagiertes Erzählen. Aber uns hatte der Ergeiz gepackt und wir wollten nach all den Mühen jetzt unbedingt den Film präsentieren. Nach über einer Stunde warten mit einem unglaublich geduldigen und hilfsbereiten Publikum war es Adrian gelungen, die verhexte Technik zu überlisten. So konnten etwa 20 Leute einen etwas anderen Welcome-Movie-Abend erleben, von dem eine Zuschauerin lachend meinte „Ach, so ist es doch wenigstens richtig spannend.“ Für mich schon zu spannend, deswegen vielen Dank für Euer Verständnis und Eure Geduld und an Euch das Versprechen, dass wir beim nächsten Mal zum üblichen Standard zurückkehren und in gewohnter Qualität, ohne technische Pannen einen Film passend zur Weihnachtszeit präsentieren. Wir freuen uns darauf, das Welcome-Movie-Jahr bei Glühwein und Plätzchen gemeinsam mit Euch am 21. Dezember um 19:30 Uhr im Goldbekhaus ausklingen zu lassen und hoffen Ihr seid wieder alle mit dabei.

Nachgefragt!: Nisihiti

Nisihiti ist in Eritrea geboren, seit über 20 Jahren in Deutschland und Hamburgerin. Gemeinsam hilft sie mit ihrem Mann den neuangekommenen Eritreern immer da wo es gerade nötig ist. So hat sie z. B. im letzten Jahr dafür gesorgt, dass die Eritreer binnen kürzester Zeit erste Sprachkurse besuchen konnten. Ihr Mann hat sich u. a. um Computerspenden und Sprachlehrsoftware in der Muttersprache Tigrinya gekümmert.

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Ich übersetze für eritreische Geflüchtete. Außerdem unterstütze ich sie im Alltag und sehe mich als Sprach- und Kulturvermittlerin.

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich bin von eritreischen Geflüchteten zufällig auf der Straße angesprochen worden, weil sie mich als Eritreerin erkannt habeb, mit der Bitte, für sie zu übersetzen. Die Not war sehr groß, da es nur wenige Menschen in Deutschland gibt, die sowohl Deutsch als auch Tigrinya auf Muttersprachniveau beherrschen.

3) Warum engagierst du dich?

Aus Mitgefühl. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, eine so anders strukturierten Sprache zu erlernen und sich gleichzeitig in einer völlig fremden Gesellschaft zurechtzufinden. Ich kann mich sehr gut in sie einfühlen, da ich vor vielen Jahren einen ähnlichen Weg gehen musste und weiß daher, dass sie meine Unterstützung brauchen und vieles alleine nicht bewältigen können.

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Kann ich nicht genau sagen, je nachdem was anfällt. Ich versuche aber ständig erreichbar zu sein.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Dass wir es mit vielen traumatisierten Menschen zu tun haben, die viele Probleme mit sich herumtragen und sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben. Das belastet mich manchmal sehr.

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Für mich ist es positiv, dass ich mit Sabine einen Lauftreff ins Leben rufen konnte, der inzwischen seit einem Jahr einmal wöchentlich stattfindet. Darüber sind soziale Kontakte und Freundschaften entstanden. Das macht mich sehr glücklich.

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Als ich mit einigen der Jungs beim Stand up Paddeln war. Ich hatte das nie zuvor gemacht und konnte gar nicht richtig auf dem Brett stehen. Das hat Aron, ein junger Geflüchteter, gleich bemerkt. Daraufhin hat er mich voll engagiert, mit viel Verantwortung, aber auch Humor den ganzen Tag auf dem Board angeleitet und mich keine Sekunde aus den Augen gelassen.

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Ja, auf jeden Fall. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Für mich ist es praktisch zur Pflicht geworden.

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde mehr auf meine Grenzen achten.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Zu allererst möchte ich mich bei all denen bedanken, die sich engagieren. Ich bin sehr glücklich, in einem Land zu leben, in dem die Menschen so mitfühlend sind. Das nehme ich nicht als selbstverständlich hin. Dass viele nicht anerkannte Geflüchtete, so auch jemand aus unserer Laufgruppe, von Hamburgern aufgenommen worden sind, hat mich sehr beeindruckt.
Grundsätzlich möchte ich die Leute ermutigen sich zu engagieren, denn wenn die Geflüchteten hier richtig ankommen, nützt das unserer Gesellschaft. Wenn sie sich mit unserer Hilfe integrieren können, sind sie keine Last, sondern ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Deshalb: Macht mit, wenn Ihr die Kraft habt, und nehmt auf beiden Seiten Rücksicht aufeinander.

SPENDENAUFRUF!

Welcome Refugees! Die Hilfsbereitschaft der WinterhuderInnen, UhlenhorsterInnen, BarmbekerInnen, … ist sehr groß, ebenso wie das Interesse an den Menschen, die zu uns kommen. Gemeinsam möchten alle das Zusammenleben in den Nachbarschaften gestalten.
Viele Projekte und Aktionen sind bereits entstanden und können durchgeführt werden. Weitere, die wir auf Anregung Geflüchteter und mit ihnen konzipiert haben, können wir nur mithilfe IHRER Spende realisieren:

* MITTEN IM WANDEL – Theater-Masken-Performance-Projekt
* WOHIN DIE ZEIT UNS FÜHRT – Kreatives Projekt mit öffentlicher Präsentation
* PATENSCHAFTEN GESTALTEN – sportliche und kulturelle Ausflüge, Hilfestellung bei Arbeits- und Wohnungssuche usw.
* WILLKOMMENSFESTE FEIERN

Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern Q8 – Quartiersentwicklung Winterhude-Uhlenhorst sowie der Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst hat das Stadtteilkulturzentrum Goldbekhaus e.V. im Oktober 2015 zu einem offenen Plenum eingeladen. Wir wollten wissen, was die Menschen in unserem Quartier bzgl. unserer neuen MitbürgerInnen bewegt und welche gemeinsamen Aktivitäten sie sich vorstellen können. Das Interesse war überwältigend und so konnten wir das
Projekt WIR IM QUARTIER – Gemeinsam mit Geflüchteten ins Leben rufen.

Ein großes Angebotspaket in den Sparten KUNST & KULTUR, SPORT & BEWEGUNG, SPRACHE & BEGEGNUNG, ESSEN & TRINKEN sowie PATENSCHAFTEN & BEGLEITUNG ist entstanden. Der Beschluss, das sportliche und kreative Angebot des kulturNvereins Goldbekhaus e.V. für Geflüchtete kostenlos zu öffnen und eine Übersetzung vorerst ins Arabische und Englische zu realisieren, wurde sofort gefasst. Spontan entstand der Plan, Übernachtungsmöglichkeiten für Transitflüchtlinge zu schaffen. So konnten von Oktober 2015 bis Januar 2016 bei den Give-Shelter-Nights mehr als 2.500 Geflüchteten Schutz, Versorgung und Obdach für jeweils eine Nacht geboten werden.

Alle Geflüchteten, die die verschiedenen Angebote nutzen und so in Kontakt mit ihren neuen NachbarInnen kommen, fühlen sich herzlich auf- und angenommen.
Neben den sportlichen, sprachlichen und kreativen Gruppenangeboten sind verschiedene Veranstaltungsreihen entstanden. Welcome Movies und Klangspiele begeistern sowohl die Geflüchteten als auch alle anderen „alten“ und „neuen“ NachbarInnen, Willkommensfeste werden gefeiert.
Es ist einfach großartig, wie viele Menschen sich engagieren und wie berührend, fröhlich, wertschätzend die Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sind.

Gemeinsam mit Geflüchteten entstehen wunderbare Projekte, die leider noch nicht alle finanziert sind. Aus diesem Grund haben wir auf der Spendensammelplattform betterplace.org einen Spendenaufruf angelegt. Jede kleine und große Spende hilft weiter!

Diesen Flyer (Betterplace_Plakat) könnt ihr gerne aushängen. Vielleicht habt ihr eine Stammkneipe oder einen Lieblingsladen, die so etwas machen:

Vielen Dank!

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