Autor: WIQ Kathleen

Über die Freiheit von Kunst im Film und der eigenen Meinung – ein Gedanke

Mittlerweile haben wir schon den ein oder anderen Film bei unseren Welcome Movies gezeigt. Von „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ über „Der Polarexpress“, „Departed“ und „Ziemlich beste Freunde“ zu dem kürzlich gezeigten „Der große Diktator“ von Charlie Chaplin. Die Mischung ist also dementsprechend bunt. Dass wir uns bei „Ziemlich beste Freunde“ nicht darüber streiten müssen, wie schön der Film ist, ist klar. Dass bei Filmen wie „Departed“ durchaus differenziertere Meinungen vorhanden sind, ist auch keine Überraschung. Thriller, Drama, Krimi, Abenteuer – alles Genres, in die der Film eingeordnet werden kann, sind keine leichte Kost aber für viele FilmliebhaberInnen sorgen sie für Begeisterung. Nicht zuletzt ist Departed von dem renommierten Regisseur Martin Scorsese  mit mehreren Preisen prämiert, da die Qualität und vor allem die Spannung extrem hoch sind.

“Der große Diktator“ ist ebenfalls ein prämierter Film und hat Filmgeschichte geschrieben und das zu einer äußerst schwierigen Zeit. Allerdings spielt der Film mit so viel Witz, dass die meiste Zeit gelacht werden kann.

Auch heute ist in vielen Teilen der Welt die Situation angespannt und viele Menschen leiden und müssen um ihr Leben fürchten. Das zeigt die Aktualität  von so manchen Filmen. Daher gibt es einige, die, wenn sie einen Kinoabend verbringen möchten, lieber zu Filmen greifen, die Unbeschwertheit und Freiheit ausdrücken. Der letzte Film „Little Miss Sunshine“ geht genau in diese Richtung.

Letztendlich geht es uns bei der Auswahl der Filme aber um das Konzept der Unterhaltung, was so gut wie alle Filme einschließt. Vor gut einem Jahr entstand die Idee der Welcome Movies überhaupt erst aus dem Bedürfnis dem Alltag zu entfliehen und einfach zusammen ein paar Stunden einen Film zu genießen, der unterhält. Die LäuferInnen aus der Gruppe des Alsterrunnings äußerten dieses Bedürfnis und damit begann die Reihe der Movies.

Viele unterschiedliche Menschen haben aber unterschiedliche Geschmäcker. Wir versuchen, dem zu begegnen, indem wir vor jeden Film eine Trailerauswahl zeigen und dort über den Film für das nächste Mal abgestimmt werden kann. Am liebsten wäre es uns als Organisationsteam sogar, wenn die Vorschläge der Filmauswahl von euch kommen. Von euch, also von den vielen BesucherInnen und NachbarInnen – egal, ob alt oder neu – des Goldbekhauses. Auch hier ist wieder alles möglich. Die einzige Prämisse, die uns wirklich wichtig ist, ist, dass es um Unterhaltung geht. Uns geht es bei den Welcome Movies nicht um pädagogische Ziele und noch weniger möchten wir entscheiden für wen, welcher Film angemessen ist. All die, die wir hier leben, können selbst für uns bestimmen und so kann jeder/jede selbst entscheiden, ob er/sie den ausgewählten Film bei uns in der Bühne zum Hof sehen möchte oder nicht, denn im nächsten Monat gibt’s wieder einen neuen Film. Ganz klar bleibt halt die Möglichkeit, dass so mancher Film auch mal nicht gefällt, mit diesem Risiko ist jedoch bei jedem Kinobesuch zu rechnen.

Kino ist ein so teures Vergnügen in Deutschland geworden, sodass wir unglaublich froh sind, euch jeden Monat einen Film bei freiem Eintritt vorführen zu können. Dazu gibt’s Snacks und Getränke, was gibt es schöneres?!

In dem Sinne, freuen wir uns über alle Anregungen und Vorschläge und vor allem über euren Besuch im Goldbekhaus. So haben wir gemeinsam die Möglichkeit der Gestaltung unseres Zusammenlebens in der Nachbarschaft.

 

 


Übrigens: Nächstes Welcome Movie ist am Mittwoch, den 17.05. um 19:30 Uhr im Goldbekhaus. Den Film könnt ihr telefonisch in der Info im Goldbekhaus erfragen: 040-27 87 02-0.

Wir freueeen uuuuuns!!

Großes Kino

„Hoffnung… Es tut mir leid, aber ich will kein Kaiser sein. Das ist nicht meine Sache. Ich möchte niemanden beherrschen und niemanden bezwingen. Es ist mein Wunsch, einem jeden zu helfen – wenn es möglich ist – sei er Jude oder Nichtjude, Weißer oder Schwarzer. Wir alle haben den Wunsch, einander zu helfen. Das liegt in der Natur des Menschen. Wir wollen vom Glück des Nächsten leben – nicht von seinem Elend. Wir wollen nicht hassen und uns nicht gegenseitig verachten. In dieser Welt gibt es Raum für alle, und die gute Erde ist reich und vermag einem jeden von uns das Notwendige zu geben.

Wir könnten frei und anmutig durchs Leben gehen, doch wir haben den Weg verloren. Die Gier hat die Seelen der Menschen vergiftet – sie hat die Welt mit einer Mauer aus Hass umgeben – hat uns im Stechschritt in Elend und Blutvergießen marschieren lassen. Wir haben die Möglichkeit entwickelt, uns mit hoher Geschwindigkeit fortzubewegen, doch wir haben uns selbst eingesperrt. Die Maschinen, die uns im Überfluss geben sollten, haben uns in Not gebracht. Unser Wissen hat uns zynisch, die Schärfe unseres Verstandes hat uns kalt und lieblos gemacht. Wir denken zuviel und fühlen zu wenig. Dringender als der Technik bedürfen wir der Menschlichkeit. Güte und Sanftmut sind wichtiger für uns als Intelligenz. Mit dem Verlust dieser Eigenschaften wird das Leben immer gewalttätiger, und alles wird verloren sein.

[…]

Soldaten! Kämpft nicht für die Sklaverei! Kämpft für die Freiheit! Im siebzehnten Kapitel des Lukas-Evangeliums steht geschrieben, das Reich Gottes sei im Menschen – nicht in einem Menschen oder in einer besonderen Gruppe von Menschen, sondern in allen! In euch! Ihr, das Volk, habt die Macht – die Macht, Maschinen zu erschaffen. Die Macht, Glück hervorzubringen. Ihr, das Volk, habt die Macht, das Leben frei und schön zu gestalten – aus diesem Leben ein wundersames Abenteuer werden zu lassen. Lasst uns also – im Namen der Demokratie – diese Macht anwenden – vereinigt euch! Lasst uns kämpfen für eine neue Welt, für eine gesittete Welt, in der jedermann die Möglichkeit hat zu arbeiten, die der Jugend eine Zukunft und die dem Alter Sicherheit zu geben vermag.

Die Gewalttäter sind zur Macht gekommen, weil sie euch diese Dinge versprochen haben. Doch sie lügen! Sie halten ihre Versprechungen nicht. Sie werden das nie tun! Diktatoren befreien sich selbst, aber sie versklaven das Volk. Lasst uns nun dafür kämpfen, die Welt zu befreien – die nationalen Schranken niederzureißen – die Gier, den Hass und die Intoleranz beiseite zu werfen. Lasst uns kämpfen für eine Welt der Vernunft – eine Welt, in der Wissenschaft und Fortschritt zu unser aller Glück führen sollen. Soldaten, im Namen der Demokratie, lasst uns zusammen stehen![…]

(Quelle: Charlie Chaplin – Der große Diktator, 1940)


Das ist ein Auszug aus der Abschlussrede aus Charlie Chaplins Meisterwerk „Der große Diktator“ – auch heute noch überaus aktuell.

Letzten Mittwoch konnten wir allerdings nicht nur dieser bewegenden Rede zuhören, sondern auch den wirklich großartigen und witzigen Film von und mit Charlie Chaplin im Goldbekhaus genießen. Vor allem haben wir uns über soo viele ZuschauerInnen gefreut. Diese haben sich auch für einen tollen Film am 19. April entschieden – dann wieder eine andere Richtung als dieser Film.

Kommt vorbei, entscheidet über den übernächsten Film und genießt einen entspannten Abend!

Jahresbericht 2016

Ihr fragt euch wie es lief? Wir erzählen es euch:

Viel hat sich getan in unserer Initiative „Wir im Quartier“ in Hamburg Winterhude und wir wollen das Jahr 2016 Revue passieren lassen.

Viele Neu- und Alt-NachbarInnen haben mitgemacht, Ideen eingebracht und sind immer noch engagiert dabei.

 

Als 2016 begann, bestand unsere Initiative gerade mal drei Monate und lag damit also noch in den Anfängen. Es gab so viele Ideen und Engagement, dass schnell Angebote entstanden, die starten konnten. All dies passierte in Absprache mit Verantwortlichen von f&w fördern und wohnen AöR, die uns Tipps gaben, wie wir am besten unsere Angebote bekannt machen und was in ihren Augen wichtig ist. So stellten wir ein Angebotspaket zusammen und veröffentlichten es zu Beginn des Jahres in verschiedenen Sprachen. Allem voran entstand ein großartiges Willkommensfest in der Halle des Goldbekhauses im März mit verschiedenen Bands und vielen tanzenden Leuten.

 

Sport & Bewegung

 

Alsterrunning lief damals schon unglaublich gut und läuft (im wahrsten Sinne des Wortes) auch heute noch wunderbar. Alle trotzen nun schon dem zweiten Winter und es wird fleißig um die Alster gelaufen. Teilweise nehmen die Jungs sogar an Laufwettbewerben teil – und das sehr erfolgreich.

Bleiben wir beim Sport: ebenfalls schnell entstanden Schwimmkurse für Geflüchtete. Die Nachfrage war riesig, sodass auch diese Kurse heute noch voll ausgelastet sind. Außerdem gab es einen tollen Yogakurs für Frauen. Anfangs gut besucht, musste der Kurs allerdings enden, da die beginnenden Integrationskurse der Frauen zur gleichen Zeit stattfinden sollten. Terminfindungen und der Mangel an geeigneten Räumlichkeiten machten es zwischenzeitlich unmöglich weiter Yoga-Kurse anzubieten. Ein Problem, das wir mittlerweile gut kennen und das unseren Angeboten immer auch etwas Flexibilität abverlangt.

 

Kunst & Kultur

 

In diesem Bereich gab es sehr viele Entwicklungen. In der Reihe „Klangspiele“ konnten Geflüchtete auftreten und Musik machen, ebenso wie bei der Supersonic Live Music Session, wo spontan zusammen gejammt wurde.

Außerdem wurden die Welcome Movies ins Leben gerufen. Ursprünglich entstand die Idee durch die Leute der Laufgruppe, die . einfach gerne ein paar Filme in deutscher Sprache schauen. Daher gibt es seit Mai einmal im Monat einen Kinofilm in der Bühne zum Hof mit kostenlosen Snacks und Getränken. Wie toll ist das eigentlich?! Auch 2017 wird es das ganze Jahr Welcome Movies geben. Jeden 3. Mittwoch im Monat um 19:30 Uhr in der Bühne zum Hof im Goldbekhaus werden die unterschiedlichsten Filme gezeigt. Welchen Film es geben soll, wird gemeinsam am vorherigen Termin durch Abstimmung entschieden. Zu Beginn haben wir uns noch auf deutsche Produktionen beschränkt. Mittlerweile haben wir unser Repertoire auf internationale Filme aus jedem möglichen Genre erweitert und nehmen Publikumswünsche gerne entgegen.

Ein weiteres Projekt – ein Maskentheaterprojekt – lief im September an. Auch hier gab es die üblichen Terminprobleme. Außerdem erfordert so ein Projekt eine kontinuierliche hohe Motivation von allen. Manchmal passt es einfach nicht und daher schien es uns sinnvoller das Projekt vorerst ruhen zu lassen. Aber neues Jahr, neuer Versuch – so startet Ende April 2017 ein neues Maskentheaterprojekt.

Ein vielversprechendes Theaterprojekt in Eigenregie entsteht momentan durch den Welcome BFD´ler des Goldbekhauses. Er schreibt ein eigenes Theaterstück. Wir sind gespannt und halten Euch auf dem Laufenden!

Das Theater-Performance-Projekt „StandUp! Acting“ für Menschen von 14 bis 27 Jahren fand ebenfalls statt, war großartig und eine runde Sache. Die Theatergruppe STAND UP! Acting arbeitete Performances aus, die in der Machart eines Werbeclips bedrückende aber auch unterhaltsame Szenen aus dem Alltag der Teilnehmenden thematisierten. Die Premiere einer Auswahl des Materials fand anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des Goldbekhaus am 10.09.2016 statt.

 

Sprache & Begegnung

 

Hier musste das Angebot besonders optimiert werden: Die ursprüngliche Idee dieser Gruppe war es, Deutschunterricht anzubieten. Nach einigen Versuchen und Bemühungen wurde klar, dass ein weiterer Deutschkurs, bei dem es keine Bescheinigung oder ähnliches zu erlangen gibt, nicht nötig ist, zumal in den Unterkünften bereits von anderen Initiativen ein breites und gutes Angebot von Sprachförderung existiert. Einzig ein Alphabetisierungskurs für Frauen mit einer gleichzeitigen Kinderbetreuung wurde sehr gut angenommen,  sodass seit Ende Oktober rund 10Frauen die Möglichkeit haben, das deutsche Alphabet lernen.

Als Zusatzangebot wurde die Begleitung zum Dialog in Deutsch in den Bücherhallen geschaffen. Unterkünfte konnten sich melden, wenn Geflüchtete das Angebot besuchen wollten aber nicht alleine gehen konnten. Mehrere Male wurden Menschen aus unterschiedlichen Unterkünften zum Dialog in die Bücherhalle Barmbek begleitet. DieNachfrage war dabei nicht besonders hoch und beschränkte sich meist auf den ersten Besuch, da , da die Leute danach orientiert waren und das Angebot selbständig wahrnehmen konnten. Die Notwendigkeit war relativ schnell nicht mehr gegeben und damit auch das Ziel erreicht, den Menschen das bestehende Angebot zugänglich zu machen.

Gleiches gilt für die Stadtteilspaziergänge. Es ist toll, seinen Stadtteil zu erkunden und den Sozialraum zu erschließen, jedoch sind viele Menschen mittlerweile schon länger hier und kennen sich in Hamburg gut aus. Außerdem kam hier auch wieder der Aspekt der Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen zum Vorschein. Spaziergänge unternimmt man vor allem gerne mit Leuten, die man kennt und mag. Einfach so Menschen dafür zu begeistern, unbekannterweise zusammen spazieren zu gehen, gestaltet sich relativ schwierig.

Sympathie ist auch Voraussetzung für die Sprachpatenschaften, bei der es darum geht,  durch den gemeinsamen Dialog, Deutsch anzuwenden. Lief gut in 2016, läuft weiter in 2017.

 

Patenschaft &Begleitung

 

Dieses Angebot, das immer weiterentwickelt wurde, lief und läuft sehr gut. Eine stetig wachsende Gruppe von Leuten übernimmt Patenschaften für teilweise ganze Familien, begleitet sie zu Ämtern und Behörden, besorgt Medikamente oder Möbel und vor allem auch eine gute Zeit zusammen. Patenschaften haben sich als äußerst wichtig und hilfreich für die angekommenen Menschen erwiesen. Denn am meisten brauchen die Neuankömmlinge Unterstützung bei alltäglichen Dingen. Die Gruppe ist sehr gut organisiert: Die Paten tauschen sich regelmäßig über ihre Arbeit aus und finden immer eine Anlaufstelle für Fragen und Probleme. Es ist sicher, dass diese Gruppe auch im Jahr 2017 weiter wachsen wird und dringend sollte, denn über den persönlichen Kontakt und die individuelle Begleitung gelingt das Zusammenwachsen und das Einfinden in eine neue Gesellschaft am besten.

 

Zur Mitte des Jahres überarbeiteten wir das Programm und konzentrierten uns vor allem auf die Angebote, die stark nachgefragt sind und toll angenommen werden. Was nicht funktioniert, wurde verworfen.

 

Essen & Trinken

 

Zu den überarbeiteten Angeboten zählt beispielsweise auch das Welcome Dinner, was sich in „Kochen-Essen-Kennenlernen“ geändert hat. Dieses Angebot entstand schon im ersten Plenum, da es einige sehr engagierte Frauen gab, die gerne kochen wollten. In regelmäßigen Abständen luden sie Geflüchtete, ÜbersetzerInnen und Familien ein, um zusammenzusitzen und zu schnackenDa aktuell jedoch keine Nachfrage mehr besteht, ist das Angebot bis auf weiteres ausgesetzt. Die Kapazitäten sind dennoch da, um es wieder aufleben zu lassen.

Ebenfalls im Sommer wurde dann die Unterkunft in der Heinrich-Hertz-Straße eröffnet und die Initiative stellte ein großartiges Willkommensfest in der Heilandskirche auf die Beine.

Eine neue Errungenschaft nach dem Sommer ist die Fahrradwerkstatt. Viele neue und alte NachbarInnen sind auf der Suche nach günstigen Fahrrädern, um in der Stadt mobil zu sein. In der Fahrradwerkstatt in der Heilandskirche ist es nun 2x in der Woche möglich unter Anleitung und mit Bereitstellung von Ersatzteilen und Werkzeug ein Fahrrad zu reparieren. Die Nachfrage dafür ist seit Beginn der Fahrradwerkstatt ungebrochen riesig.

 

Im Laufe des Jahres wurde der Punkt Kommunikation zunehmend wichtiger. Hatten wir am Anfang vor allem Plenumssitzungen abgehalten, um uns auszutauschen und auf den neusten Stand zu bringen, schien es uns nun sinnvoller auch andere Informationskanäle zu öffnen. Vor diesem Hintergrund wurde Ende des Jahres der Newsletter ins Leben gerufen, der alle Mitglieder der Initiative und Interessierte auf dem Laufenden hält und unser Engagement transparent macht. Zusätzlich kam die Idee auf, regelmäßig über die vielen persönlichen Geschichten und Themen rund um Geflüchtete im Quartier zu berichten und eine Plattform für Diskussionen und Austausch über die gemeinsamen Erfahrungen zu bieten. Als Konsequenz daraus wurde der Blog entwickelt, der in der zweiten Jahreshälfte einen Schub bekam, indem die Interviewreihe NACHGEFRAGT! ins Leben gerufen wurde, bei der (meist) Ehrenamtliche von ihren Erlebnissen berichten. Zusätzlich bloggen wir über alle aktuellen Termine und Ereignisse von WIQ.

 

Wahnsinn, was wir gemeinsam erreicht haben! Auf diesem Wege bedanken wir uns bei allen Teilnehmenden, Mitwirkenden, KooperationspartnerInnen und Engagierten. Ein großes Dankeschön geht auch an das Goldbekhaus, die Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst und dem Quartiersentwicklungsprojekt Q8 für die gute Zusammenarbeit, sowie sämtliche Förderer. Wir freuen uns auf ein tolles und aufregendes neues Jahr mit vielen alten und neuen Gesichtern, Eurem Enthusiasmus, Eurer Kritik und Euren Ideen!

NACHGEFRAGT! : Isabel

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Meine Basis ist ein zweistündiges Café, das seit April 2016 wöchentlich im Gemeinschaftsraum einer Folgeunterkunft stattfindet. Aus den Begegnungen vor Ort – den Anliegen der Bewohner, aber auch anderer Ehrenamtlicher, die ein Angebot für Geflüchtete organisieren – haben sich vielfältige weitere Themen und Aktivitäten, und auch freundschaftliche Beziehungen ergeben.

 

Seit einigen Wochen geht es immer häufiger um Lebensläufe, Praktika oder allgemein die Berufsfindung. Im Sommer stand bei mir das Fahrrad im Mittelpunkt (Radfahren beibringen, Fahrräder organisieren, vgl. auch Nachgefragt!: Klaus). Außerdem sind wir schon gemeinsam zur Welcome Music Session in der Zinnschmelze, zur Welcome Jam im Jugendtreff Jarrestadt oder zum Welcome Movie im Goldbekhaus gegangen. Aber auch Floh- und Weihnachtsmärkte sind beliebt.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich habe mich eine ganze Weile informiert, u.a. bei Wir im Quartier (WiQ), bei Welcome to Barmbek (wtb) und Gertrud hilft, schwankte zwischen Sprachangeboten und Patenschaften. Kurze Wege waren mir von Anfang an wichtig. Beim Runden Tisch für die neu eröffnete Unterkunft habe ich mich dann für das Café entschieden. Ich wollte mir ein eigenes Bild machen von den neuen Nachbarn und ihren Bedürfnissen und auch herausfinden, was für mich passt.

 

3) Warum engagierst du dich?

Mir ist ein gutes Miteinander und nicht ein Neben- oder Gegeneinander verschiedener gesellschaftlicher Gruppen wichtig. Dazu möchte ich aktiv beitragen.

Außerdem ist es für mich spannend, aus einem andern Blickwinkel auf das eigene Leben und die eigenen Gewohnheiten zu schauen, was fast automatisch passiert, wenn man mitbekommt, worüber Menschen aus anderen Kulturkreisen stolpern oder welche Fragen sie stellen.

 

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

8 Stunden/Woche sind es mindestens. Phasenweise – im Sommer/Herbst während der Radkurse – waren es deutlich mehr.

 

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Herausfordernd war und ist die Kommunikation. Häufig mussten und müssen einzelne Erwachsene oder die Jugendlichen und Kinder bei der Verständigung helfen. Letztere lernen in Kindergärten und Schulen sehr schnell.

Komplexere Gespräche z.B. bei der Berufsfindung sind leider noch kaum möglich.

 

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Im Sommer habe ich einigen muslimischen Frauen über 30 das Radfahren beigebracht. Es war ihr Wunsch. Sie waren auf mich zugekommen. Es war beeindruckend, wie sehr sie das wollten. Die Terminvereinbarungen haben wunderbar funktioniert, blaue Flecken waren kein Hindernis, immer wieder wurde probiert. Wir haben viel gelacht. Nach zahlreichen lebendigen Übungsstunden in nahegelegenen Parkanlagen haben wir uns mit kleinen Ausflügen in den Stadtverkehr gewagt. Wir alle, auch die Männer und Söhne, waren am Ende sehr stolz.

 

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Es gibt kleine Anekdoten. Einmal habe ich mich mit einem befreundeten iranischen Ehepaar abends zu einem Orgelkonzert in der Sophienkirche verabredet. Eine weitere Familie kam dazu. Ich war überrascht, dass auch der zwölfjährige Sohn – den ich gut kenne – mitkam, bis sich herausstellte, dass er dort tanzen wollte…

 

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Auf jeden Fall. Ich empfinde die Arbeit als bereichernd. Mir macht es viel Spaß.

Ein Aspekt, an den ich im Vorfeld nicht gedacht hatte, ist, dass ich auch ganz viele neue Kontakte zu netten einheimischen Menschen bekommen habe und zu Institutionen, die sich schon lange in den Stadtteilen engagieren.

 

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde heute mit meinem Engagement nicht so lange zögern. In den meisten Fällen bedarf es keines konkreten (Kurs)Angebots. Vieles ergibt sich, wenn man sich kennengelernt hat. Die meisten Geflüchteten sind einfach dankbar, wenn sie auch Kontakt mit Deutschen haben, mit ihnen Sport machen, Deutsch üben oder Fragen stellen können.

 

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Ich glaube, es gibt noch viele Unterstützungsmöglichkeiten oder gar -notwendigkeiten. Auch unter den Geflüchteten gibt es ganz unterschiedliche Menschen, mit den verschiedensten Interessen und Bedürfnissen, je nach Persönlichkeit, aber auch nach familiärer Situation. Man muss sich überlegen, was einem selbst liegt und wie viel Zeit man aufwenden möchte. Klar. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Ehrenamtlichen ist sinnvoll. Letztlich scheint mir aber jedes offene, respektvolle Aufeinanderzugehen hilfreich.

 

 

Ankündigung: Jahresbericht 2016

Das Jahr 2016 liegt in den letzten Zügen… und was machen alle am liebsten am Jahresende?? Genau! Nochmal zurückschauen. Auch wir wollen das gemeinsam mit euch tun. Bei „Wir im Quartier“ ist viel passiert und manchmal weiß man gar nicht mehr, was alles dabei war. Zusammen haben wir aber so viel gemacht und geschafft und auch so manche Idee wieder umgestoßen, sodass wir viele Erfahrungen gesammelt haben, die geteilt werden sollen.

Habt ihr Kommentare, Anmerkungen oder Erfahrungsberichte, die wir berücksichtigen sollen? Dann schreibt uns eine Nachricht an: wir-im-quartier@goldbekhaus.de

NACHGEFRAGT!: Werner + Lisa

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Wir betreuen drei aus Eritrea geflohene Paare mit ihren Kleinkindern. Die drei Familien leben in einer Barmbeker Flüchtlingsunterkunft. Dabei geht es um alle Bereiche des Aufenthaltsrechts, der sozialen Sicherung, des Wohnens, des Spracherwerbs, der beruflichen Orientierung und des alltäglichen Lebens. Natürlich geht es auch um Freizeitaktivitäten (Schwimmen gehen, Kulturveranstaltungen besuchen, Ausflüge machen).

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Nach einer Anti-AfD-Demo in der Hamburger Innenstadt haben wir uns für konkretes, nachhaltig wirksames Engagement in der Flüchtlingshilfe entschieden.

3) Warum engagierst du dich?

Wir wollen gegen ein sich verstärkendes Grundklima der gesellschaftlichen Verunsicherung und politischer Abgrenzung ein Zeichen des Willkommens setzen. Außerdem ist es eine spannende Erfahrung, unsere eigene Lebenspraxis und Selbstverständlichkeiten des Alltags in der Wahrnehmung durch Geflüchtete kritisch zu spiegeln.

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Es wurde schnell deutlich, dass sich das Engagement als Pate/Patin von Familien nicht auf feste Termine eingrenzen lässt. Die Lebenssituation der Geflüchteten und die sich aus Behördenkontakten ergebenden Notwendigkeiten erfordern eine ständige Präsenz und Ansprechbarkeit.

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Abseits von immer neuen Problemen/ Erkenntnissen in spezifischen Verwaltungsabläufen ist es eine Herausforderung, Menschen, die man sprachlich nur in Ansätzen versteht, die „richtige“ Empfehlung zu ihrer Lebensgestaltung mit auf den Weg zu geben. Da braucht es viel Zeit, um Vertrauen und Verständnis füreinander aufzubauen.

 6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Wir haben einen sechsstündigen Gottesdienst der eritreischen, christlich-orthodoxen Gemeine erlebt. Der begann um 5 Uhr morgens und endete nach Taufe und Eheschließung mit einem Festmahl, zu dem traditionelles Essen gereicht wurde. Besonders spannend war es, dafür ein ganzes Lamm in Hamburg aufzutreiben. Darüber hinaus haben wir für eine der drei Familien eine Wohnung gefunden..

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Die mit viel gestischem Einsatz geführte Verhandlung über den Kauf und das Schlachten des Lamms beim Schäfer in Öjendorf war schon denkwürdig.

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Jederzeit

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Mehr Gelassenheit in den Kontakten gegenüber Behörden und Ämtern zeigen. Aufregung zerrt nur an der eigenen Kondition.

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Unsere Erfahrung zeigt mir, dass man in kleinen Teams arbeiten sollte, um sich austauschen zu können und für einzelne Termine oder Aufgaben Hilfestellung zu erhalten.


Werner hat dieses Engagement über die Patenschaftsgruppe von Dieter Seelis von „Wir im Quartier“ gefunden. Doch es gibt auch noch viele neue NachbarInnen ohne Paten, sodass noch weitere Ehrenamtliche gesucht werden. Interessiert? Schau mal hier:  http://gemeinsam-mit-gefluechteten.de/ueber-uns/unsere-ags/patenschaft-und-begleitung/

Storytime: im Charity-Outlet

Am 01.10.2016 begleitete ich eine geflüchtete Familie aus Eritrea zusammen mit einer weiteren Frau aus derselben Unterkunft und deren Sohn Hiob, zum Charity-Outlet der Stiftung Kinderjahre (http://stiftung-kinderjahre.de) in der Ruwoldtstrasse, in dem es tolle Sachen für wenig Geld oder sogar umsonst geben soll.

Schon nach Betreten der Räume wurden wir von sehr netten, hilfsbereiten Frauen bedient. Sie zeigten uns viele schöne neue Kindersachen, die wir zusammen gesichtet haben und die  beiden Frauen konnten so aussuchen, was sie brauchen. Eine der Frauen, die uns bediente, war sehr kinderlieb, sie kümmerte sich rührend um unseren kleinen Hiob, der gerne alles Mögliche ausräumt und im Laden verstreut hat. Sie hat sehr geduldig so manches Mal Fünfe gerade sein lassen und mit ihm gespielt.

Die erwachsenen Frauen haben sehr viele schöne neue Teile auch für sich gefunden, die sie extra bezahlt haben, so zwischen 2 -5 €. Die Kindersachen hingegen kosteten nichts, es gab für jedes Teil einen Stempel im Gutscheinheft.

Die Veranstaltung selbst war sehr gut besucht. Es waren überwiegend Familien da und das Angebot war sehr gefragt. Die Atmosphäre war daher sehr lebendig und wuselig.

Der Laden selbst ist sehr gut ausgestattet. Es gibt sogar Umkleidekabinen. Das Angebot war zwar noch nicht so richtig auf den Herbst zugeschnitten, es gab noch sehr viel Sommerkleidung, aber das wird beim nächsten Charity–Outlet sicher anders sein. Es war dennoch sehr reichlich und die beiden Frauen haben eine Menge Teile gefunden, sowohl für Ihre Kinder, als auch für sich selbst.

Auf jeden Fall werden wir zum nächsten Verkauf am 03.12.2016 wiederkommen.

 

Lisa

 


 

Ihr habt auch ein paar interessante Stories zu erzählen?! Mailt uns eure Geschichten (wir-im-quartier@goldbekhaus.de) oder schreibt sie in die Kommentare!

NACHGEFRAGT!: Kathleen, 22 Jahre

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Ganz am Anfang habe ich Deutschkurse in Wilhelmsburg gemacht. Jetzt bin ich im Orga-Team von WiQ dabei und habe verschiedene Bereiche, wo ich „mitmische“. So organisiere ich Begleitungen und Sprachpatenschaften, helfe bei den Welcome Movies und versuche auch, hier beim Blog aktiv mitzumachen.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Im Rahmen meines Studiums habe ich ein halbes Jahr Praktikum im Goldbekhaus gemacht. In der Zeit entstand auch die Initiative. Durch die Deutschkurse war ich am Thema sowieso interessiert und habe mich dann immer mehr mit eingebracht.

 

3) Warum engagierst du dich?

Alles hat eher zufällig angefangen. Dann habe ich gemerkt, was für tolle Menschen man durch dieses Engagement treffen kann. Das motiviert mich auch immer wieder, weiterzumachen.

 

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Ist schwer zu sagen. Mal mehr, mal weniger aber letztendlich so einige Stunden in der Woche.

 

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Wenn Projekte entstehen, sind immer viele Leute beteiligt. Alle Ideen, Meinungen und Interessen unter einen Hut zu kriegen, finde ich schwierig aber tatsächlich kann es auch gelingen. Ansonsten gibt es Angebote, die einfach mehr Zeit brauchen, um sich zu etablieren und auch die Menschen müssen erst richtig ankommen. Das erfordert auf jeden Fall einen langen Atem.

 

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Menschen finde ich super! Z.B. immer wenn der Film beim Welcome Movie vorbei ist, fassen alle mit an und räumen auf, sodass nach ein paar Minuten schon alles erledigt ist. Manchmal kann man gar nicht so schnell gucken wie alle Stühle schon weggestellt sind :).

 

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Manche der Leute sind zu Freunden geworden und wenn ich mit denen über whatsapp schreibe, kommt es öfter zu Missverständnissen. So habe ich einen Geflüchteten zum Welcome Movie eingeladen und ihm vorgeschlagen, dass er auch seine Freunde mitbringen kann. An dem Abend hatten seine Freunde allerdings keine Zeit und er dachte, er dürfte nicht vorbeikommen, wenn er nur alleine kommt. Das war natürlich nicht so. Als das aufgeklärt war, setzte er sich kurzerhand doch noch in den Bus und kam dazu – der Film lief zu dieser Zeit schon eine Stunde.

 

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Auf jeden Fall!

 

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde mehr Prioritäten setzen, um meine Energie genau in die Sachen zu stecken, die ich für sinnvoll halte. Ich würde auch versuchen noch offener auf die Menschen zuzugehen.

 

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Sich nicht zu viele Gedanken machen. Letztendlich geht es nur darum, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten und gemeinsam etwas zu unternehmen. Da müssen nicht alle Eventualitäten vorher abgeklärt werden. Es hilft, einfach offen für neue Ideen zu sein.

NACHGEFRAGT! : Paula, 18 Jahre – im FSJ bei „Q8 – Quartiere bewegen | Winterhude-Uhlenhorst“

Paula macht gerade ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) bei Q8. Q8 hat zusammen mit dem Goldbekhaus und der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Winterhude-Uhlenhorst unsere Initiative gegründet.

Was ist Q8 eigentlich?

Q8 ist ein Projekt für Quartiersentwicklung, das daran arbeitet das Miteinander im Quartier inklusiv, bedürfnisgerecht und zukunftsorientiert zu gestalten. Alle Bewohnerinnen und Bewohner sollen gut und selbstbestimmt im Quartier leben können und das so lange wie möglich. Verschiedenste Unterstützungsformen von Selbsthilfe über Ehrenamt bis hinzu professioneller Hilfe sollen dies ermöglichen. Q8 bringt Bewohnerinnen und Bewohner, Unternehmen und Institutionen zusammen, unterstützt bei der Vernetzung und verbindet Aktivitäten vor Ort um ein Zusammenleben ohne Ausgrenzung zu schaffen.

 

 

Nun zu Paula:


1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Mein Engagement umfasst sowohl Konfirmandenarbeit in der Kirchengemeinde Sasel, als auch mein Freiwilliges Soziales Jahr bei „Q8 – Quartiere bewegen | Winterhude-Uhlenhorst“. In der Konfirmandenarbeit umfasst es den Konfirmandenunterricht an acht Samstagen und zehn Tagen „KonfiCamp“.

Bei Q8 sind meine Aufgaben sehr vielfältig. Häufig übernehme ich mit anderen Ehrenamtlichen einen Einsatz beim „Winterhuder Tischnachbarn“ – dem Nachbarschaftstreff und Mittagstisch im Quartier- und bin auch in anderen Bereichen der Quartiersentwicklung eingebunden.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich bin über meine eigene Konfirmandenzeit an mein Engagement gekommen. In der Zeit habe ich viele tolle Erfahrungen gemacht und bin dann den Weg gegangen, selbst als Gruppenleiterin Konfirmandenunterricht zu geben.

Die Tatsache, dass ich vor meinem Studium etwas Sinnvolles und Erfahrungen sammeln wollte, hat mich zu Q8 gebracht.

 

3) Warum engagierst du dich?

Mir ist bewusst, dass ich es sehr gut in meinem Leben habe und dass dies nicht selbstverständlich ist. Deshalb möchte ich mich für die einsetzen, die es nicht so einfach haben und helfen, wo Unterstützung gebraucht wird.

 

4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Die Konfirmandenarbeit fordert ungefähr einmal im Monat meinen Einsatz, während ich in Q8 jeden Tag beschäftigt bin.

Dort mache ich auch ungefähr viermal im Monat einen Einsatz im „Winterhuder TischNachbarn“ – dem Mittagstisch im Quartier.

 

5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Mit den Konfirmanden ist es teilweise schwierig, sie zu erreichen, weil sie gerade in dem Alter sind, wo Grenzen ausgetestet werden und sie den Begriff „cool sein“ für sich entdecken. Themen wie Kirche, Glaube und Nächstenliebe haben nicht ganz obere Priorität.

Bei Q8 ist es noch schwierig für mich, alle Prozesse und Zusammenhänge im Quartier zu durchschauen, aber ich komme langsam rein.

 

6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Regelmäßig schaffen es die Konifs, mich zu begeistern, wenn sie mitarbeiten oder sich doch gegen alle Gesetze des „Cool-Seins“ füreinander und für ihre Gruppenleiter einsetzen.

Bei dem Nachbarschaftstreff bin ich regelmäßig begeistert, was die älteren Nachbarn zu erzählen haben und dass sie teilweise eine halbe Stunde zu Fuß mit Rollator angelaufen kommen, um eine Stunde mit ihren Nachbarn zu essen und zusammen zu sitzen.

 

7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Wenn man mit 13- und 14-Jährigen 10 Tage auf einem großen Sommerlager verbringt, kommen natürlich zahlreiche lustige Erlebnisse zusammen. Eine Unterrichtseinheit konnten wir zum Beispiel überhaupt nicht machen, weil wir nach „Stille Post“ nicht aufhören konnten zu lachen.

 

8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Sicher! Wenn mein FSJ endet, werde ich mir ein Ehrenamt suchen, welches sich mit meinem Studium verbinden lässt. Den Winterhuder TischNachbarn verlassen zu müssen, würde mir jetzt schon schwer fallen, also vielleicht bleibe ich da…

 

9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Im Rückblick erkenn ich, dass ich mir noch während der Schule, bzw. nach meinem Abitur eine ehrenamtliche Beschäftigung hätte suchen können. Sei es Kleidung in den Messehallen sortieren oder bei dem Seniorencafé in meiner Kirchengemeinde helfen.

 

10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Wichtig ist, dass man etwas findet, wo man Gutes tut, was einem selbst gut tut.

 

NACHGEFRAGT!: Klaus, 74 Jahre alt

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Im Souterrain der Heilandskirche im Winterhuder Weg 132 bin ich in unserer Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge tätig.


2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Im Januar 2016 war ich in der Ilse Löwenstein Schule dabei, als die künftige Unterkunft Heinrich-Hertz Str. vorgestellt wurde und zu verschiedenen Aufgaben Hilfsbereite gesucht wurden. Ich trug mich in eine Liste ein und erhielt anschließend etliche mails zur Information.


3) Warum engagierst du dich?

Weil ich gern anderen Menschen helfe und meine, dass die Flüchtlinge unsere Unterstützung besonders benötigen.


4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Mit allem Drumherum wie Material bestellen, Räder transportieren etc. – die eigentliche Öffnungszeit der Werkstatt beträgt nur vier Stunden (montags von 10:00 bis 14:00 Uhr) – je Woche so etwa acht Stunden.


5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Schwierig wird’s, wenn unsere Flüchtlinge nur geringe oder keine Deutschkenntnisse haben. Aber häufig springen dann andere beim Übersetzen ein. Und Isabel sei Dank!, die bislang regelmäßig montags dabei war und außerdem an den anderen Wochentagen sehr viel Zeit den Familien in der Unterkunft widmet, sie hat dann mit ihrer hierdurch erworbenen Kenntnis der Personen und auch Sprache toll geholfen.


6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?
7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Positiv und gut für´s eigene Innenleben ist es immer, wenn Flüchtlinge, nachdem sie an „ihrem“ künftigen Rad gewerkelt hatten, dies strahlend in Empfang nehmen.
Und dann freue ich mich regelmäßig über die Fahrradspenden unserer Mitmenschen und bin ab und zu schon erstaunt, auf welchem Wege sie von unserem Bedarf hörten. Toll!

Und so richtig Negatives, was einem die Socken auszieht, hab´ ich bislang glücklicherweise noch nicht erlebt.


8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Ja, sehr gern.

Eine weitere Öffnungszeit (nachmittags so etwa ab 15:00 Uhr) je Woche würde gut sein, allerdings fehlt mir hierfür die Zeit. In eigener Sache: Hilft jemand mit? Große Vorkenntnisse sind nicht nötig!


9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Tja, schwierige Frage. Es wäre sicher von Vorteil gewesen, wenn wir besser vorbereitet hätten starten können. Aber so ging´s wohl auch anderen Hilfsbereiten. Wobei wir von Welcome to Barmbek und auch durch zahlreiche Infos per mail etc. unterstützt wurden, die allesamt gut für die allgemeineren Themen in der Flüchtlingshilfe waren, aber verständlicherweise nicht speziell für unsere Fahrradwerkstatt. So mussten wir uns also durchhangeln, was aber – wie wir meinen – bislang auch vor allem mit Hilfe der Heilandskirche und der Pfarrgemeinde St. Sophien, recht ordentlich gelang. Wir würden unsere Erfahrungen auch gern weitergeben, Kooperationen zeichnen sich ab.


10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Einfach frischen Mutes anfangen und sich nicht gleich von irgendwelchen eigenen oder Bedenken anderer abhalten lassen: Es macht unheimlich viel Spaß, auch eventuell mal Neuland für sich zu betreten, die Hilfsbereitschaft anderer Ehrenamtlicher hierbei ist riesengroß. Ich bin begeistert, welches Netzwerk mittlerweile zusammengebastelt wurde.

NACHGEFRAGT!

Engagement mit Geflüchteten hat viele Gesichter und Facetten, denen wir mit unserer neuen Interviewreihe NACHGEFRAGT! auf den Grund gehen möchten. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass in den gemeinsamen Projekten mit den neuen Nachbarn jede Menge Spannendes passiert, über das es sich zu berichten lohnt und von dem wir gegenseitig profitieren können. Um den Erfahrungsaustausch zu fördern, möchten wir diesen Geschichten ein Forum geben. So entstand die Idee, ein Format zu entwickeln, in dem die Befragten präzise und mit möglichst wenig Zeitaufwand Auskunft geben können und das es den LeserInnen ermöglicht, gezielt Informationen zu finden und zu vergleichen. Wir hoffen mit den zehn Standardfragen einige Kernpunkte der Arbeit mit den Neuangekommenen zu treffen und euch interessante Einblicke zu liefern. Künftig werden wir regelmäßig ein neues Interview mit (ehrenamtlichen) HelferInnen veröffentlichen. Damit diese Informationen nicht verloren gehen, findet ihr jedes Interview auch in unserem Nachgefragt!-Archiv.

Du engagierst dich auch und möchtest ein paar deiner Erlebnisse teilen? Beantworte ebenfalls die Fragen! Wir veröffentlichen sie gerne.

Heute ein erster Einblick von der lieben und sehr engagierten Lina:

1) Wen oder Was umfasst dein Engagement?

Unterstützung bei einzelnen Veranstaltungen, bspw. Stadtteilspaziergang, Weihnachtsfeiern im Wiesendamm & Hufnerstraße, „Give Shelter Nights“.
Interkulturelles Training für Ehrenamtliche.

 

2) Wie bist du zu deinem Engagement gekommen?

Ich hatte im letzten Winter ein paar Monate „Übergangszeit“ zwischen meinem alten und meinem jetzigen neuen Job und wollte irgendetwas „sinnvolles“ tun. Über „Wir im Quartier – Gemeinsam mit Geflüchteten“ habe ich Kontakt zu Gleichgesinnten gefunden und über gemeinsame Überlegungen und die Kooperation mit „Welcome to Barmbek“ habe ich Bereiche gefunden, in denen ich unterstützen konnte.


3) Warum engagierst du dich?

Ein vernünftiges Zusammenleben funktioniert meines Erachtens nur, wenn jeder bereit ist, etwas zur Gemeinschaft beizusteuern. Zudem ist es enorm wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen, um ein gegenseitiges Verständnis erreichen zu können.


4) Wie viel Zeit investierst du pro Woche/Monat?

Unterschiedlich, da eher unregelmäßig.


5) Was empfindest du an deiner Arbeit als schwierig?

Immer mal wieder die Koordination innerhalb der Gruppe der Ehrenamtlichen, da hier die unterschiedlichsten Vorstellungen und zeitlichen Möglichkeiten aufeinandertreffen und trotzdem unter einen Hut zu bringen sind.

Teilweise auch die Kommunikation/Koordination mit anderen Einrichtungen.


6) Gibt es ein besonders beeindruckendes Erlebnis (positiv wie negativ) aus deiner Tätigkeit?

Die Offenheit eines älteren Herren aus Syrien, der über die Schwierigkeiten berichtete, seine Frau und weitere Kinder und Enkel aus der Türkei im Sinne des Familiennachzugs nach Deutschland zu holen. Seinen 3-jährigen Enkel hatte er noch nie persönlich gesehen.


7) Gibt es ein besonders lustiges Erlebnis?

Die umfangreiche Suche in einer Kleiderkammer nach einem Schneeanzug für ein Baby. Da wir nur die Beschreibung des Babys, „he’s a very big baby“, von der Mutter hatten, kamen zunächst alle Schneeanzüge mit dem Kommentar: „Too small. He’s a very big baby“ wieder zurück…


8) Würdest du dich wieder oder weiter engagieren?

Definitiv! Derzeit überlege ich, ein weiteres Training interkulturelle Kompetenz für Ehrenamtliche anzubieten.

Eine weitere Idee ist zu prüfen, ob es im Umfeld von „Wir im Quartier“ und/oder „Welcome to Barmbek“ Bedarf geben könnte, unverbindlich Infos/Erstberatung zur Anerkennung von Studienabschlüssen, (Wieder-) Aufnahme eines Studiums in Deutschland, Hochschulzugangsberechtigung, allgemein zum deutschen Hochschulsystem anzubieten.


9) Was würdest du im Rückblick anders oder besser machen?

Ich würde eher sagen, dass man aus allen Erfahrungen etwas lernt und dieses Wissen für die Zukunft einsetzen sollte.


10) Was kannst du anderen Ehrenamtlichen oder denen, die es werden wollen, mit auf den Weg geben?

Überlege, was du kannst, wo deine Stärken sind. Vielleicht hast du über deine eigene Ausbildung, Beruf oder Hobbies Kenntnisse oder Fähigkeiten, die anderen helfen oder ihnen Freude bereiten könnten.
Erwarte nicht zu viel. Wir können nur Angebote machen. Ob diese von Geflüchteten angenommen werden, ist ganz allein deren eigene Entscheidung.
Habe Geduld. Manchmal dauert es eine Weile, bis sich ein Angebot rumgesprochen hat und angenommen wird.

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